Sexaffäre in Italien

Silvio Berlusconi drohen 15 Jahre Haft

Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi muss sich wegen der Sexaffäre um eine 17-jährige Prostituierte in einem Schnellverfahren vor Gericht verantworten. Das entschied die Ermittlungsrichterin Cristina Di Censo am Dienstag in Mailand auf Antrag der Staatsanwälte.

Die Anklagepunkte lauten auf Amtsmissbrauch und Umgang mit minderjährigen Prostituierten. Berlusconi wird vorgeworfen, die minderjährige marokkanische Nachtklubtänzerin mit dem Spitznamen "Ruby Rubacuori" (Ruby Herzensdiebin) für Sex bezahlt zu haben. Später soll er seinen Einfluss genutzt haben, um die Affäre zu vertuschen und die Jugendliche vor dem Gefängnis zu bewahren. Der Prozess vor drei Richterinnen soll am 6. April in Mailand beginnen.

Im Falle einer Verurteilung drohen Berlusconi bis zu 15 Jahre Haft. Das Schnellverfahren bedeutet, dass es keine Voranhörung geben wird. Solche Verfahren werden in der Regel nur angeordnet, wenn die Beweislast erdrückend ist. Berlusconi hat die Anschuldigungen als haltlos zurückgewiesen und das Verfahren als Farce bezeichnet. "Wir haben nichts anderes erwartet", sagte sein Anwalt Piero Longo.

Italienische Medien hatten in den vergangenen Wochen zahlreiche pikante Details über wilde Sexpartys in verschiedenen Villen des Regierungschefs veröffentlicht. Ein Teil der Informationen war abgehörten Gesprächen zwischen Frauen entnommen, die an den Partys teilgenommen hatten. Schwerer als die Anschuldigung des Umgangs mit minderjährigen Prostituierten wiegt die des Amtsmissbrauchs. Konkret wirft die Staatsanwaltschaft Berlusconi vor, dass er Karima el-Marough alias "Ruby" persönlich vor dem Gefängnis bewahrt haben soll. Die 17-Jährige war wegen des Verdachts des Diebstahls festgenommen worden.

Der Regierungschef bestreitet die Vorwürfe. Er habe nie für Sex bezahlt. Bei der Polizei habe er zugunsten der Tänzerin nur angerufen, weil er sie für eine Verwandte des damaligen ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak gehalten habe. Er habe diplomatische Verwicklungen vermeiden wollen. Ruby selbst hat ebenfalls bestritten, mit Berlusconi Sex gehabt zu haben. Allerdings räumte sie ein, sie habe nach einer Party mindestens 7000 Euro erhalten.