Raumfahrt

Schritte auf dem Mars

Langsam öffnet sich die Tür, dann schiebt sich ein Mensch ungeschickt im Raumanzug ins Bild - ein Schritt, und der Raumfahrer steht auf dem Mars. Diese Science-Fiction wird am Montag in Moskau Wirklichkeit - zumindest virtuelle Wirklichkeit. Mars500, wie sich das umfassendste und anspruchvollste Experiment in der Geschichte der Raumfahrt nennt, ist am Ziel angekommen.

Nach rund 250 Tagen Isolation in einer Versuchsanlage sind die "Kosmonauten" auf dem Gelände des Instituts für biomedizinische Probleme in Moskau am Computer auf dem Roten Planeten gelandet.

Der Russe Alexander Smolejewski und der Italiener Diego Urbina werden gegen Mittag in "Orlan-E"-Raumanzügen das Landemodul verlassen. Insgesamt sind drei Ausstiege geplant.

Die Männer sollen bei den rund zweistündigen Ausflügen auf die naturgetreu gestaltete Mars-Oberfläche Boden- und Gesteinsproben nehmen. Dabei werden sie von dem Mini-Rover "Gulliver" unterstützt, der mit einem Roboterarm und mehreren Kameras ausgerüstet ist.

Am 23. Februar tritt das Trio den Rückflug an und steigt nach drei Tagen Quarantäne wieder in das "Mutterraumschiff" um, in dem Kommandant Alexej Sitjow, der Arzt Suchrob Kamolow (beide Russland) und der Franzose Romain Charles verblieben waren.

Etwa 520 Tage - daher der Name des Experiments - dauert der mehr als 50 Millionen Kilometer weite Flug zum Mars und wieder zurück, einberechnet ein 30-tägiger Aufenthalt. Die Teilnehmer aus Russland, Frankreich, Italien und China beteiligen sich im Dienste der Wissenschaft an zahlreichen Forschungsstudien. Sie geben regelmäßig Blut und Urin ab und lassen sich wie bei der TV-Show "Big Brother" rund um die Uhr via Kameras beobachten. "Mars500 ist heute nur eine bereichernde Simulation", sagt Simonetta Di Pippo, Direktorin für die bemannte Raumfahrt bei der Europäischen Weltraumbehörde Esa. "Aber wir arbeiten daran, dass sie Wirklichkeit wird."