USA-Besuch

Merkel verneigt sich vor Amerika

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in ihrer Rede vor dem US-Kongress dem amerikanischen Volk für seine Hilfe bei der Wiedervereinigung Deutschlands gedankt. Niemals würden die Deutschen dies den Amerikanern vergessen, sagte Merkel gestern in Washington.

Merkel erinnerte eindrücklich an die Ereignisse des 9. November 1989. Sie gedachte aber auch des 9. November 1938, als in Deutschland die Synagogen brannten. "Wir leben heute in einer freieren Welt als je zuvor", sagte Merkel und betonte gleichzeitig, dass die Verteidigung dieser Freiheit eine dauerhafte Aufgabe sei, der sich Amerika mit Europa stellen müsse. "Einen besseren Partner als Amerika gibt es für Europa nicht. Und einen besseren Partner als Europa gibt es für Amerika nicht."

Merkel warnte davor, Toleranz gegenüber Staaten zu üben, die die Sicherheit der gesamten freien Welt bedrohten. Niemals dürfe der Iran in den Besitz von Atomwaffen kommen. "Eine Atombombe in der Hand des iranischen Präsidenten, der den Holocaust leugnet und Israel das Existenzrecht abspricht, darf es nicht geben." Sie warnte: "Der Iran kennt die Grenzen. Wer Israel bedroht, bedroht auch uns." Nach diesen Worten erntete sie den stärksten Applaus während ihrer rund halbstündigen Rede, die mehrfach von stehenden Ovationen unterbrochen wurde.

Im Hinblick auf eine neue Weltwirtschaftsordnung nach der Finanzkrise forderte Merkel zwar eine stärkere Kontrolle der Finanzmärkte, sprach sich jedoch nicht für eine strikte Regulierung aus. "Nur in Freiheit kann die Welt schöpferisch sein", sagte Merkel. Die Bundeskanzlerin mahnte die USA zusammen mit den übrigen teilnehmenden Staaten bei der kommenden Weltklimakonferenz im Dezember in Kopenhagen zu verbindlichen Beschlüssen: "Wir alle wissen: Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir brauchen eine Einigung auf der UN-Klimakonferenz im Dezember in Kopenhagen." Dabei müssten auch die aufstrebenden Staaten Asiens zur Mitarbeit bewogen werden. "Ohne China und Indien geht es nicht", sagte Merkel.

Auch nach diesen Worten erhob sich der Kongress wie bereits zu Beginn der Rede, als Merkel persönliche Erlebnisse des Jahres 1989 geschildert hatte. Merkel ist die zweite deutsche Regierungschefin, die vor beiden Häusern des US-Kongresses sprach. Im Mai 1957 hatte Bundeskanzler Konrad Adenauer die Ehre - allerdings nacheinander in Reden vor dem Senat und dem Repräsentantenhaus.

Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama Deutschland für seinen Beitrag für Frieden und Stabilität in Afghanistan gedankt. Deutschland sei ein außerordentlich starker Verbündeter bei vielen internationalen Fragen und ein "außerordentlich starker Stützpfeiler der transatlantischen Beziehungen", sagte Obama. Deutschland habe viel dazu beigetragen, dass die Afghanen selbst mehr Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen könnten. Die Kanzlerin habe sich als eine außergewöhnliche Führungspersönlichkeit vor allem im Kampf für mehr Klimaschutz erwiesen. "Überall in der Welt beginnt man anzuerkennen, wie wichtig es ist, angesichts der möglichen Katastrophe zusammenzuarbeiten, die droht, wenn die globale Klimaerwärmung nicht bekämpft wird", sagte der US-Präsident. Merkels Auftritt vor dem Kongress sei sicherlich für sie ein besonderer Moment. Sie sei in der DDR im Schatten der Diktatur aufgewachsen und habe dann die Freiheit kennenlernen können. Heute führe sie ein Deutschland, das ein zentrales Element eines freien Europas sei. Obama gratulierte Merkel auch zum Sieg bei der Bundestagswahl.