Superbowl

Das Sarah-Connor-Syndrom

Nationalhymnen sind wahre Minenfelder. Nirgendwo sonst ist die Chance größer, sich zu blamieren. Denn die meisten Zuhörer kennen Text und Melodie. Eine falsche Hymne im Fußballstadion ist dabei mindestens ebenso peinlich wie ein Fehler beim Text.

Spott und Häme ergießen sich gleich kübelweise über den Unglücksraben - und im schlimmsten Fall wird ihm auch noch der Nationalstolz abgesprochen. Diese Erfahrung musste schon Sarah Connor machen, die 2005 vor einem Fußballspiel "Brüh im Lichte dieses Glückes" gesungen hatte statt "Blüh im Glanze dieses Glückes".

Viel schwerer traf es jetzt Popstar Christina Aguilera. Die hatte die ehrenvolle Aufgabe, vor dem Finale der Meisterschaft im American Football, dem Superbowl, die amerikanische Nationalhymne zu singen - und verpatzte es. Vor geschätzten 110 Millionen Fernsehzuschauern allein in den traditionell sehr patriotisch eingestellten USA sang die 30-Jährige eine Zeile doppelt - und die auch noch falsch. Statt der siebten Zeile wiederholte sie die dritte - und patzte erneut: Statt "What so proudly we hail'd" ("Was wir so stolz bejubelt haben") sang sie "What so proudly we watched" - das "watched" hätte wiederum in die vergessene siebte Zeile "O'er the ramparts we watch'd" ("Über den Wällen, die wir bewachten") gehört.

"The Star-Spangled Banner" ist der erste Höhepunkt vor Anpfiff des Superbowls. Der Stadionsprecher hatte angekündigt, die "fünffache Grammy-Gewinnerin" singe, "um Amerika zu ehren". Es kam anders. Aguilera entschuldigte sich noch in der Nacht, sie sei so aufgeregt gewesen. Und sie beteuerte vorsichtshalber ihre Treue zu den USA: "Ich kann nur hoffen, dass jeder meine Liebe für dieses Land gefühlt hat und der wahre Geist der Hymne noch vermittelt wurde."