Hygienische Probleme

Gesundheitsamt schließt Charité-Küche

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Ina Brzoska

Nach einer Hygienekontrolle hat das Gesundheitsamt das Versorgungszentrum der Charité in Mitte teilweise sperren lassen - davon betroffen ist auch die Küche des Bettenhauses. Seit Montag dürfen an der Luisenstraße keine warmen Gerichte mehr zubereitet werden. Köche des Charité-Standorts Benjamin Franklin in Steglitz müssen nun die Patienten in Mitte mitversorgen.

Grund für die Anordnung der Behörde sind bauliche Mängel, die zu hygienischen Problemen führen könnten. Am Standort Mitte werden normalerweise täglich 1400 Frühstücke, Mittag- und Abendessen zubereitet.

Das Gesundheitsamt bemängelte Ritzen an Wänden und Decken. Der Schmutz, der sich dort ansammelt, könnte laut Gesundheitsamt auch in das Essen für die Patienten gelangen. Der Behörde waren die baulichen Mängel der Küchen offenbar schon länger bekannt. Bereits vor einem Jahr soll es Probleme mit der Hygiene gegeben haben, was das Gesundheitsamt bestätigte. "Wir sahen keine andere Möglichkeit, als die Notbremse zu ziehen", sagte am Montag Christian Hanke (SPD), Bezirksbürgermeister von Mitte. Nach einer weiteren Begehung des Gesundheitsamts wurde mit der Charité vereinbart, dass nicht nur die Zubereitung der warmen Gerichte für die Patienten, sondern auch die Reinigung des Geschirrs von Steglitz übernommen werden muss. Erst wenn die baulichen Mängel behoben sind, kann der Betrieb in Mitte wie gewohnt weiterlaufen.

Die Uniklinik, die das Versorgungszentrum in zwei Jahren abreißen lassen will, versuchte am Montag zu beschwichtigen. "Die Schließung der Küche ist eine rein prophylaktische Maßnahme", sagte Charité-Sprecherin Stefanie Winde der Berliner Morgenpost. Sie habe sich über den Zustand ausführlich informiert, sich Fotos zeigen lassen. "Es ist nicht so schlimm, wie es sich im ersten Moment anhört", sagte sie. Dennoch: Die aktuelle Lösung werde wohl eher eine dauerhafte sein. Ein Charité-Mitarbeiter berichtete der Morgenpost, dass zwei Dutzend Mitarbeiter am Wochenende die Küche reinigen mussten. Gebracht hat es offenbar nichts. Inzwischen wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet - die Charité muss mit einer Geldbuße rechnen.

Gestern wurden die Patienten-Menüs erstmals in großen Lastwagen aus Steglitz angeliefert. In Mitte wurde nur noch portioniert und auf die einzelnen Stockwerke verteilt - das Bettenhaus hat 21 Etagen und bei voller Auslastung Platz für 727 Patienten. Das Versorgungszentrum ist über unterirdische Gänge mit den Kliniken verbunden, über diese Wege werden nach wie vor die Mahlzeiten transportiert.

Charité-Chef Karl Max Einhäupl war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Seit Jahren aber moniert er selbst den maroden Zustand der Uniklinik, die schon längst eine grundlegende Sanierung brauche. Die hoch verschuldete Charité hat es bislang nicht geschafft, das Geld dafür aufzubringen. Der Senat bewilligte jüngst 330 Millionen Euro, die ab 2013 verbaut werden sollen.

Besonders der Standort Mitte gilt als Sanierungsfall: Das Bettenhaus, ein 30 Jahre alter DDR-Bau, soll entkernt und runderneuert werden. Das Gebäude, in dem sich die gesperrten Küchen befinden, soll im Rahmen der Sanierung abgerissen werden. Dort sollen Container entstehen, in denen die Patienten, die ab 2013 aus dem Bettenhaus verlegt werden müssen, betreut werden können.