Verbraucher

Die Regierung verschärft den Tierschutz

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Claudia Ehrenstein

Schweine, Rinder und Geflügel werden in Deutschland zum Teil unter qualvollen Bedingungen gehalten. Das will die Bundesregierung jetzt schnell ändern. "Wir werden den Tierschutz verbessern und ihn transparenter machen", sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) der Berliner Morgenpost.

"Wir dürfen die Diskussion über die Zukunft unserer Landwirtschaft nicht auf die Frage der Finanzen verengen."

Der jüngste Skandal um Dioxin in Futtermitteln hat Verbrauchern die Folgen einer hochintensiven Tierhaltung drastisch vor Augen geführt. "Wir müssen darüber reden, was die Verbraucher erwarten, was der Natur und auch dem Wohl der Tiere dient", sagte Aigner. Die Käfighaltung von Legehennen soll abgeschafft werden. Genehmigungen für neue Käfiganlagen werden nicht mehr erteilt. Künftig wird es Eier nur noch aus den Haltungsformen Boden, Freiland und Öko geben. Erstmals soll es nach Aigners Plänen auch konkrete Vorschriften für die Haltung von Mastkaninchen geben. Auch die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung soll verboten werden. Zweck dieses Eingriffes ist es bislang, den typischen Ebergeruch zu vermeiden, der Filets und Koteletts von männlichen Schweinen sonst anhaften würde. Ein Pharmaunternehmen hat bereits ein hormonelles Verfahren als Alternative entwickelt.

Mehr Schutz für Zirkustiere

Für die Haltung von Wildtieren sind ebenfalls Standards geplant. Denn viele bedrohte Tierarten können heute nur noch in Zoos überleben. Für ihre möglichst artgerechte Haltung und Pflege fehlt es jedoch an Vorschriften. Von denen wird abhängen, was auf Institutionen wie den Berliner Zoo an Umgestaltungsbedarf und an Folgekosten zukäme. Auch für Tiere im Zirkus sollen gesetzliche Standards festgelegt werden. Allerdings können diese Vorschriften mit dem Grundrecht auf Berufsfreiheit kollidieren, befürchten Experten.

Aigner geht noch weiter: Als Grundlage für eine neue "Charta für Landwirtschaft und Verbraucher" will sie sämtliche Tierschutzstandards überprüfen. Ein neues Label soll es Verbrauchern zudem erleichtern, Produkte auszuwählen, bei deren Erzeugung besonders hohe Tierschutzstandards eingehalten wurden. "Was jetzt auf dem Tisch liegt, sind erste Eckpunkte", sagte Aigner. "Vieles davon kann schnell in die Umsetzung gehen." Zum Beispiel das Verbot von Brandzeichen bei Pferden. Der Bundesrat hat der Maßnahme schon zugestimmt. Am Mittwoch berät der Agrarausschuss des Bundestags einen entsprechenden Antrag der Grünen-Fraktion. "Der Schenkelbrand bei Pferden ist ein äußerst schmerzhafter Eingriff", heißt es in dem Papier. Das glühende Brenneisen mit dem Zeichen des Zuchtverbands erzeugt Verbrennungen dritten Grades. Solche Brandmale seien mit dem Tierschutz nicht vereinbar, ist auch Aigner überzeugt. Zum Schenkelbrand gibt es eine Alternative in Form von "Transpondern". Diese Chips mit den individuellen Kenndaten werden in das Muskelfleisch der Tiere injiziert. "Die Chips sind eine vernünftige Lösung", sagte Hans-Michael Goldmann (FDP), Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Agrarausschusses, der Morgenpost.