Geschichte

"Ein großer Patriot, den Berlin dröhnend verschweigt"

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Sven Felix Kellerhoff

"Die Geschichte hat Ronald Reagan Recht gegeben." Mit dieser einfachen Feststellung würdigte Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am Sonntagabend den früheren US-Präsidenten.

Ganz kurzfristig, innerhalb von zehn Tagen hatte die SED-Opfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen diese einzige Ehrung Reagans in Berlin zu seinem 100. Geburtstag organisiert. Der CSU-Politiker hatte spontan zugesagt, die Festansprache zu halten. Es sei ihm eine "Herzensangelegenheit" gewesen.

Damit hob sich Guttenberg bewusst und scharf ab von der Weigerung des rot-roten Senats, den Ehrenbürger Berlins angemessen zu würdigen. Der Dank, den Deutschland dem "großen Patrioten" Reagan schulde, werde zumal "in Berlin dröhnend verschwiegen", kritisierte der Minister. Er erinnerte an die Stimmung in der Bundesrepublik im Jahr 1987, als Reagan am Brandenburger Tor seine "mutigen Worte" sagte: "Mr. Gorbatschow, tear down this wall." Es sei eine Zeit gewesen, in der diese Vorstellung "so gar nicht passte in die Lebenswirklichkeit der Westdeutschen 1987", in der über "Ideologiepapierchen von SPD und SED" diskutiert wurde statt über den Wert der Freiheit. "Dabei war es doch gerade und ganz einfach die Freiheit, die Ost und West unterschied", so Guttenberg.

Der Vorschlag, eine Straße oder einen Platz nach dem 2004 verstorbenen US-Präsidenten zu benennen, hatte dem Minister zuletzt nur "überschaubaren Jubel" eingebracht. Jetzt legte er nach: "Wir brauchen kein Museum des Kalten Krieges am Checkpoint Charlie", sagte er. Nötig sei vielmehr ein Kommunismusmuseum: "Tun wir alles dafür, dass diese Ideologie nie wieder zum Leben erweckt wird." Er erinnerte daran, dass in anderen Hauptstädten Ostmitteleuropas des 40. US-Präsidenten anlässlich seines gestrigen runden Geburtstages gedacht worden sei - nicht aber in der deutschen Hauptstadt, die Reagan unendlich viel zu verdanken habe. Es reiche nicht, nur ein Blumengebinde vor seinem Bild im Abgeordnetenhaus niederzulegen. Scharf attackierte Guttenberg den Senat: "Statt mit einem ideologischen Brett vor dem Kopf" herumzulaufen eine Plakette am Brandenburger Tor zur Erinnerung an die Rede Reagans anzubringen, "das wäre auch von diesem Senat nicht zu viel verlangt".