Umwelt

Brüssel sorgt sich um Europas Bienen

Sie können schmerzhaft stechen, aber wir lieben sie trotzdem. Sie bestäuben die Blüten - und die Pflanze wächst. Was viele nicht wissen: Die Bienen kämpfen verzweifelt um ihr Überleben. Im Jahr 2010 lag die Bienensterblichkeit in Deutschland bei 15 Prozent, in zahlreichen Imkereien sogar bei 30 Prozent.

Viele Bienen sind gesundheitlich angeschlagen, ihr Immunsystem ist geschwächt. Niemand kann das rätselhafte Bienensterben genau erklären.

Die tückische Varroamilbe ist nicht der einzige Grund. So könnten Nahrungsmangel durch moderne Landwirtschaft, Pestizide wie das Nervengift Clothianidin und Zuckerwasser als Ersatzfutter für das Bienensterben verantwortlich sein. "Wissenschaftliche Studien konnten bisher weder die Ursache noch das genaue Ausmaß des Problems ermitteln", sagt EU-Gesundheitskommissar John Dalli.

Brüssel will jetzt handeln. Die EU-Beamten haben ausgerechnet, dass Bienen und andere Bestäuber der europäischen Landwirtschaft jedes Jahr 22 Milliarden Euro an Einnahmen bringen. Einige Experten sehen durch das Sterben sogar die "Lebensmittelsicherheit" bedroht. Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes hängen immerhin rund 85 Prozent der Erträge beim Ost- und Pflanzenbau von der Bestäubung der Honigbienen ab. Konkret schlägt die EU-Kommission nun vor, die Genehmigung von Pestiziden einzuschränken. Die Behörde fordert zudem von der Industrie, neue Medikamente für Bienen zu entwickeln. Außerdem verlangt die EU "Fortbildungen zum Thema Bienengesundheit für Beamte der Mitgliedsstaaten" und eine bessere Schulung für Imker.

Bis April soll ein "EU-Referenzlabor zur Bienengesundheit" entstehen. Forscher werden dort ein Pilotprogramm zur Überwachung der europäischen Bienenpopulationen entwickeln. Der Imkerbund lobt das Projekt. Aber: Werden die Experimente im Labor den Bienen in der freien Natur wirklich helfen?