Verteidigungspolitik

Minister Guttenberg setzt Kapitän der "Gorch Fock" ab

Nach heftiger Kritik an den Zwischenfällen auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock" hat Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den Kapitän Norbert Schatz abberufen. Das Schiff soll bis zur Klärung der Vorwürfe um den Tod einer Marinesoldatin nicht eingesetzt werden, wie der Minister am Sonnabend sagte.

Die "Gorch Fock" sei unverzüglich in ihren Heimathafen Kiel beordert worden und werde dort so lange "an die Kette gelegt", bis entschieden sei, "ob und wie die Ausbildung fortgesetzt wird", so Guttenberg weiter. Damit steht die Ausbildung auf dem Segelschulschiff nach mehr als 50 Jahren vor dem Aus. "Nach einer derartigen Häufung von faktisch erschütternden Berichten kann niemand zur Tagesordnung übergehen", sagte der Minister.

Guttenberg zog damit Konsequenzen aus den Berichten des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus (FDP), der die Zustände auf dem Segelschulschiff öffentlich gemacht hatte. Demnach soll nicht nur enormer Druck auf die Kadetten ausgeübt worden sein. Auch von Meutereivorwürfen und einem zerrütteten Verhältnis zwischen Mannschaft und Schiffsführung ist die Rede. Königshaus begrüßte Guttenbergs Entscheidung. Sie sei schon aus "Fürsorgegründen" richtig, sagte er der "Bild am Sonntag". Auch der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, sagte dem MDR, die Absetzung sei richtig gewesen, warnte jedoch vor Vorverurteilungen.

Anlass ist der Unfalltod einer 25-Jährigen, die am 7. November beim Klettern in der Takelage aus 27 Metern Höhe auf das Deck stürzte und später starb. "Keiner erklärt mir, was genau passiert ist, als meine Tochter starb", sagte die 45 Jahre alte Mutter dem "Focus". Sie vermute, dass die wahren Gründe für den Tod ihrer Tochter "vertuscht" worden seien und erstattete deshalb Strafanzeige gegen die Bundesrepublik wegen fahrlässiger Tötung.

Kritik an der Entscheidung von Minister Guttenberg kam erneut von SPD, Grünen und Linken.

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