Sozialatlas 2010

Der Atlas der Armut in Berlin

Berlin bleibt eine geteilte Stadt. Die scharfen sozialen Gegensätze zwischen den armen und reichen Stadtteilen haben sich nicht abgebaut. Nur an einzelnen Stellen gibt es leichte Verbesserungen. Das geht aus dem Sozialatlas 2010 hervor, den Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) am Donnerstag vorstellte.

So konnte der Trend gestoppt werden, dass sich die Kluft zwischen den wohlhabenden und den sozial schwachen Kiezen immer weiter vergrößerte. Zudem ist die Jugendarbeitslosigkeit in den Problemkiezen deutlich gesunken. Allerdings stieg dort dafür die Kinderarmut, während sie stadtweit zurückging.

Wie die Daten zeigen, ballen sich die Probleme in der Hauptstadt wie bereits in den Vorjahren in fünf Stadtgebieten. Drei davon liegen im westlichen Innenstadtbereich. In Wedding/Moabit, Kreuzberg-Nordost und Neukölln-Nord konzentrieren sich sogenannte soziale Problemindikatoren wie Arbeitslosigkeit, Abhängigkeit von Transferleistungen, Abwanderung in andere Kieze, Kinderarmut sowie eine hohe Anzahl von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Als "problematische Gebiete" außerhalb des S-Bahn-Ringes gelten zudem einzelne Großsiedlungsgebiete am Stadtrand, wie etwa Nord-Marzahn/Nord-Hellersdorf und Spandau-Mitte. 25 Prozent aller Berliner leben in diesen Stadtquartieren.

Die jährlich aktualisierte und vom Senat in Auftrag gegebene Studie "Monitoring Soziale Stadtentwicklung" dient als Frühwarnsystem und soll einen besseren Einsatz der Fördermittel ermöglichen. "Mit diesem Instrument sehen wir genau, wo sich in der Stadt kritische Entwicklungen abzeichnen und wo sich Verbesserungen der Lebenssituation nachweisen lassen", so Junge-Reyer. Die Senatorin warnte davor, trotz der konstant schlechten Sozialindikatoren in den Problemgebieten die bisher eingesetzten Mittel als wirkungslos zu bewerten. Die Ergebnisse würden vielmehr beweisen, dass das Programm "Soziale Stadt" in den richtigen Gebieten tätig ist. "Die benachteiligten Gebiete wurden nicht von der Gesamtentwicklung der Stadt abgekoppelt", so die Senatorin. Besonders erfreulich sei etwa, dass die Jugendarbeitslosigkeit in den Aktionsräumen des Programms (- 2 Prozent) stärker gesunken sei als im Berliner Durchschnitt (- 0,2 Prozent). Allerdings hat die Kinderarmut in den Problemkiezen zugenommen. Sie stieg um 0,3 Prozent. In ganz Berlin sank die Kinderarmut bei den unter 15-Jährigen dagegen sogar um 1,2 Prozentpunkte auf 37,4 Prozent.

Angesichts der kritischen Lage der Bevölkerung in den benachteiligten Stadtteilen forderte die Senatorin, dass die Kürzungen der Bundesregierung beim Programm "Soziale Stadt" zurückgenommen werden müssen.

Kritik kam von Grünen-Stadtentwicklungsexpertin Claudia Hämmerling. In Wahrheit seien die Ergebnisse "nicht ganz so rosig", sagte sie.