Berlins Taxigewerbe

Schwarzarbeiter am Lenkrad

Jedes Jahr werden im Taxigewerbe bundesweit mehr als eine Milliarde Euro schwarz eingesteckt. Betrogen werden der Fiskus, die Sozialsysteme, die Berufsgenossenschaft. Neue Zahlen aus Berlin zeigen jetzt das Ausmaß des Betrugs. Die Verkehrsexpertin der Grünen im Abgeordnetenhaus, Claudia Hämmerling, fand einen Weg, belastbare aktuelle Daten zu bekommen.

Sie wandte sich an die Berufsgenossenschaft (BG) Verkehr, an die jeder Taxiunternehmer entsprechend seiner Lohnzahlungen nach einer festen Formel Beiträge zahlen muss. Dort erfuhr sie, dass die Berliner Taxiunternehmer zwischen 150 und 750 Euro pro Konzession zahlen. Daraus lassen sich die von den Unternehmen gezahlten Löhne ableiten.

Nachdem Hämmerling die Lohnsummen durchgerechnet hatte, wollte sie ihren Augen kaum trauen. Wer 150 Euro pro Taxikonzession an die Genossenschaft überweist, zahlt seinem Fahrer im Monat gerade mal 480 Euro.

"Diese Angabe ist absolut dreist, das kann gar nicht sein", resümierte die Politikerin. Dann würde ja ein Unternehmer mit vielleicht 20 Taxen seine Fahrzeuge jeweils nur eine knappe Woche fahren lassen. In Wirklichkeit würden natürlich ganz andere Summen eingenommen und gezahlt - alles "schwarz" natürlich.

Der Sprecher der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls bestätigt, dass das Taxigewerbe ein klassisches Feld für Schwarzarbeit ist: "Es werden von den Fahrern staatliche Leistungen bezogen, in der Regel Hartz IV oder Arbeitslosengeld, und dann wird über das erlaubte Maß dazugearbeitet."

Nach Meinung des Vorsitzenden der Berliner Taxi-Vereinigung, Matthias Bornschein, sind 70 Prozent der Berliner Taxifahrer Sozialschmarotzer, die ihre echten Umsätze verheimlichen. Detlev Freutel, Vorstand des Taxiverbands Berlin-Brandenburg, geht davon aus, dass jeder zweite Euro schwarz eingesteckt wird.