Studie

Frauenmangel in Deutschlands Chefetagen

Spitzenpositionen in Deutschlands Unternehmen sind weiterhin fast ausschließlich mit Männern besetzt. In den 30 Dax-Unternehmen sitzen den 182 männlichen Vorständen lediglich vier weibliche Kolleginnen gegenüber. Und: Keines der 100 größten Unternehmen wird von einer Frau geführt.

Dies sind Ergebnisse des "Managerinnen-Barometers", das das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) veröffentlicht hat.

Studienleiterin Elke Holst sprach von einer "erdrückenden Dominanz der Männer in den Entscheidungsgremien". Im internationalen Vergleich liege Deutschland beim Frauenanteil in den Vorständen auf dem letzten Platz - gleichauf mit Indien. Nicht nur in Skandinavien, sondern auch in den USA und Großbritannien gebe es weitaus mehr Top-Managerinnen.

Selbst Unternehmen, die sich in Staatsbesitz befinden, schneiden hierzulande nur wenig besser ab als die Privatwirtschaft. Als Negativbeispiel verweisen die DIW-Forscher hier auf die Deutsche Bahn, wo bei der letzten großen Umstrukturierung des Vorstands 2009 keine Frau zum Zuge kam. Zuvor hatte das einzige weibliche Vorstandsmitglied, Margret Suckale, das Unternehmen verlassen.

Günstiger sieht es bei der Besetzung der Aufsichtsräte aus. Hier liegt der Frauenanteil bei den 200 größten Unternehmen bei immerhin 10,6 Prozent. Dies ist eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Allerdings hat noch ein Drittel aller großen Unternehmen überhaupt keine Frau im Aufsichtsrat. Der Grund, warum in den übrigen Unternehmen die Aufsichtsgremien gemischt besetzt sind, liegt laut DIW nicht zuletzt an den Mitbestimmungsregeln. Das Gros der weiblichen Aufsichtsratsmitglieder werde denn auch von der Arbeitnehmerseite entsandt.

Aufseiten der Kapitalgeber nähmen die Frauen ihr Mandat nicht selten aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Eigentümerfamilie ein, schreiben die Forscher vom DIW. Immerhin gebe es einige Großbetriebe, die schon jetzt mit einem Frauenanteil im Aufsichtsrat von über 40 Prozent aufwarten könnten.

Die geringe Präsenz der Frauen in den Top-Posten treibt auch die Bundesregierung um. Die Staatsministerin im Kanzleramt, Maria Böhmer (CDU), rät den Unternehmen, rasch den Frauenanteil zu erhöhen. Sie verwies darauf, dass Frankreich eine gesetzliche Frauenquote beschlossen habe, ebenso wie Norwegen. "Die Unternehmen sind jetzt am Zug. Doch wenn sich bis 2013 der Frauenanteil nicht deutlich erhöht hat, wird es gesetzliche Regelungen geben." Es gebe in den Betrieben längst ausreichend viele Frauen, die für Top-Posten geeignet seien, sagte Böhmer. Als Ziel strebt die CDU-Politikerin eine 40-Prozent-Marke für die Aufsichtsräte an. Die Besetzung der Vorstände würde dann automatisch weiblicher, ist sich Böhmer sicher.

Auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wird bei dem Thema langsam ungeduldig. "Deutschland bewegt sich im Schneckentempo, wenn es darum geht, den Frauenanteil in den Führungspositionen auszuweiten. Das können wir uns nicht leisten", rügte die Ministerin in der vergangenen Woche vor Top-Managern beim "Welt"-Wirtschaftsgipfel.

Die DIW-Ökonomin Elke Holst fordert als Konsequenz aus der Studie, dass die hiesigen Unternehmen im eigenen Interesse ihre Unternehmenskultur ändern sollen. Einige Unternehmen dächten bereits um und setzten sich - wie beispielsweise die Deutsche Telekom - deshalb freiwillig eigene Zielmarken in Sachen Frauenanteil.