Verkehr

BBI: Flugsicherung prüft neue Routen

Die umstrittenen Flugrouten vom künftigen Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld sind offenbar erst einmal vom Tisch. Das ist das Resultat der Sitzung der Fluglärmkommission am Montag in Schönefeld, die anders als bisher wesentlich sachlicher verlief. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) prüft jetzt realistische Alternativen zu den umstrittenen Routenvorschlägen vom 6. September.

Bis zur nächsten Sitzung am 14. Februar will sie Daten zu den entsprechenden Lärmbelastungen für die Bevölkerung in Berlin und Brandenburg vorlegen. Dabei soll abgewogen werden, wie die BBI-Flugrouten in Bezug auf die Lärmbelastung verbessert werden können. Im Dezember 2010 hatte die Kommission der DFS 16 Änderungs- und Ergänzungswünsche übergeben. Die DFS zeigte daraufhin am Montag mehrere Alternativen auf. Dazu zählen auch veränderte Routen im Westen und im Osten. Der Chef der Deutschen Flugsicherung in Berlin, Hans Niebergall, geht davon aus, dass die Kommission bis Mitte dieses Jahres zu einem konsensfähigen Routenvorschlag kommen kann. Das habe die Diskussion gezeigt. Mittlerweile habe man einen "versachlichten Prozess" erreicht. Die künftigen Routen sollen im November zur Prüfung und Genehmigung an die übergeordneten Behörden gegeben werden.

Auch die Vorsitzende der Fluglärmkommission, Kathrin Schneider, sagte nach der Sitzung, die Diskussion sei "insgesamt auf einem guten Weg". Niebergall machte allerdings deutlich, dass auf das Abknicken der Routen nicht verzichtet werden könne, da der Planfeststellungsbeschluss für den BBI den unabhängigen Parallelstart vorsehe. Dieses gleichzeitige Abheben zweier Flugzeuge von beiden Startbahnen des BBI macht aus Sicherheitsgründen ein Abknicken um mindestens 15 Grad notwendig. Die Vorsitzende der Fluglärmkommission betonte aber auch, dass abknickende Flugrouten, wie öffentlich diskutiert, nicht immer automatisch "des Teufels sein" müssten. Es komme auf den Einzelfall an. Geprüft wird nun auch, nach dem Start zunächst eine Weile geradeaus zu fliegen und dann scharf abzukurven, um Zeuthen von Lärm zu entlasten. "Es gibt möglicherweise einen Korridor, in dem Ausnahmen möglich sind", sagte Schneider. Für die Nachtzeiten hält die DFS es sogar für möglich, dass nur eine Bahn genutzt wird. Niebergall sagte zudem zu, andere Startverfahren für die Flugzeuge am BBI prüfen zu wollen. Dazu brauche es allerdings erst die Ergebnisse eines entsprechenden Probebetriebs am Flughafen Frankfurt/Main.

Die Vorsitzende der Bürgerinitiative "Keine Flugrouten über Berlin", Marela Bone-Winkel, begrüßte, dass "endlich inhaltlich gearbeitet" werde und die Flugrouten vom 6. September offenbar vom Tisch seien. Ähnlich äußerte sich Flughafenchef Rainer Schwarz.