Verbraucher

Dioxin-Skandal: In Berlin werden Bio-Eier knapp

Durch den Skandal um Dioxin im Tierfutter ist die Nachfrage nach Bio-Eiern stark angestiegen. Bio-Supermärkte in Berlin verbuchen deutlich mehr Umsätze und verkaufen teils ein Drittel mehr als vor dem Skandal. Die Nachfrage ist so hoch, dass sie bald die Kapazität vieler Produzenten übersteigen dürfte.

"Es ist mittlerweile schwierig, noch Lieferanten zu finden", sagte Robert Erler, Sprecher von Bio-Company, der Berliner Morgenpost. "Wir können bereits jetzt sagen, dass es zu Engpässen in der Belieferung von Bio-Eiern kommen wird."

Berlin ist die Metropole mit den meisten Bio-Märkten in ganz Deutschland. Aktuell sind es 41. Infolge des Dioxin-Skandals kaufen nun viel mehr Kunden dort ein. Die verunsicherten Verbraucher greifen nicht nur zu Eiern. Auch Bio-Fleisch verkauft sich deutlich besser, die Umsätze sind um bis zu 20 Prozent gestiegen.

Auch der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) berichtet, dass seit Weihnachten die Umsätze um 30 Prozent geklettert sind. Die Kette LPG, die in Prenzlauer Berg Europas größten Bio-Markt betreibt, berichtet ebenfalls von großem Kundenzulauf. "Die Nachfrage ist deutlich gestiegen, zu uns kommen viel mehr Kunden wegen unserer Bio-Eier als vor Bekanntwerden des Dioxin-Skandals", sagte Inhaber und Geschäftsführer Werner Schauerte. Hoch im Kurs stünden zudem Hähnchen- und Schweinefleisch. "Das Umsatzplus dürfte bei 15 bis 20 Prozent liegen", so Schauerte. Von Engpässen mochte er aber noch nicht sprechen.

Doch das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Während die Großhändler aus der Bio-Branche bis Ende vergangener Woche nur "vereinzelte Lieferengpässe" registrierten, nehmen diese nun zu. Auch weil der Dioxin-Skandal sich erneut ausgeweitet hat. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ein Futtermittel-Unternehmen aus Niedersachsen, das seine Lieferlisten nicht vollständig offengelegt haben soll. Daraufhin mussten erneut fast 1000 Höfe gesperrt werden. Der neuerliche Skandal hat zu einem offenen Streit zwischen Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) und der niedersächsischen Landesregierung geführt. Die Ministerin hatte "personelle Konsequenzen" gefordert, weil sie angeblich zu spät über den Vorfall informiert worden sei. Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) warnte: "Ein Schwarzer-Peter-Spiel ist hier völlig fehl am Platze." Die Bürger erwarteten, dass die staatlichen Stellen ihre Aufgaben erfüllten und sich nicht gegenseitig die Verantwortung zuschöben. Ähnlich äußerte sich Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU). Es gehe darum, in der Sache voranzukommen.

Die Lieferanten der Bio-Märkte können sich unterdessen vor Anfragen kaum noch retten. "Wir kommen nicht mehr nach mit der Produktion", sagte Walter Höhne, Chef der bayrischen Erzeugergemeinschaft "Die Biohennen". Das Unternehmen versorgt Bio-Märkte in der ganzen Republik mit Eiern, auch in Berlin. Vor dem Skandal lieferte die Firma 350 000 Bio-Eier pro Woche aus. "Seit ungefähr zwei Wochen könnte ich pro Woche 700 000 Bio-Eier verkaufen - wenn ich sie denn hätte", so Höhne. "Schließlich können die Hennen ja auch nicht mehr als Eier legen. Um die hohe Nachfrage zu befriedigen, müssten wir betrügen - und das mache ich nicht."

Ähnliches berichten Landwirte aus dem Berliner Umland. "Ich verkaufe zurzeit 5000 Eier am Tag, aber die Nachfrage ist viel größer", sagte Frank Richter vom Biolandbetrieb Eiland in Grimme (Uckermark). Er bekommt angesichts des Bio-Eier-Aufschwungs sogar ein mulmiges Gefühl. "Einige Produzenten werfen nun womöglich viel mehr Bio-Eier auf den Markt als vorher", sagte Richter. "Als Kunde wäre ich da schon skeptisch."