Religion

Johannes Paul II. wird zum Seligen

Es ist ein Wunder - in mehrfacher Hinsicht. Zum einen hat Papst Benedikt XVI. schriftlich bestätigt, dass sein Vorgänger Johannes Paul II. ein Wunder gewirkt hat - nach dessen Tod. Damit wird Johannes Paul II. am 1. Mai seliggesprochen.

Gerade mal - und das ist das nächste Wunder - nur sechs Jahre nach seinem irdischen Ableben. Noch nie in der Neuzeit wurde ein Papst, so, wie es jetzt mit Johannes Paul II. geschieht, bereits durch seinen Nachfolger seliggesprochen. Und gerade mal fünf Päpste wurden überhaupt in den vergangenen 500 Jahren zur Ehre der Altäre erhoben. Was dagegen kein Wunder ist: In Polen, dem Heimatland des einstigen Papstes, der bürgerlich Karol Wojtyla hieß, löste die Entscheidung Jubel aus. Damit werde ein zu "Lebzeiten heiliger Mann" offiziell seliggesprochen, sagte Polens Ex-Präsident Lech Walesa.

Die geplante Seligsprechung trage dem "beeindruckenden Ruf der Heiligkeit ... im Leben, im Tod und nach dem Tod" von Johannes Paul II. Rechnung, erklärte der Vatikan. Normalerweise nimmt der Seligsprechungsprozess bei Päpsten mehr Zeit in Anspruch, bei Johannes Paul II. hatte aber schon unmittelbar nach seinem Tod im April 2005 die Menge auf dem Petersplatz in Rom "Santo subito" skandiert, also "sofortige Heiligsprechung".

Mit dem Dekret folgt Benedikt XVI. der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse. Die hatte anerkannt, dass die französische Nonne Marie Simon-Pierre im Juni 2005 durch ihre Gebete zu Johannes Paul II. von ihrer Parkinson-Krankheit geheilt worden war - zwei Monate nach dessen Tod. Der polnische Papst hatte selbst daran gelitten. Die Seligsprechung ist die erste Stufe auf dem Weg zur Heiligsprechung. Dafür wäre ein zweites Wunder nötig.