Lebensmittel-Skandal

Dioxin auch im Schweinefleisch

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Erstmals ist in Deutschland jetzt auch mit Dioxin belastetes Schweinefleisch entdeckt worden. 140 Schweine aus dem Maststall eines Futtermittelherstellers im niedersächsischen Landkreis Verden müssen getötet werden, weil der zulässige Höchstwert um 50 Prozent überschritten wurde.

In Berlin informierte Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) die Abgeordneten des Bundestags im Verbraucherausschuss über Konsequenzen aus dem Umweltgiftskandal. Er wurde höchstwahrscheinlich durch verseuchtes Futterfett verursacht.

Inzwischen werden immer neue Einzelheiten bekannt, wie der schleswig-holsteinische Hersteller Harles und Jentzsch die Gifte verschleierte. So wurde im März eine Probe für das Labor nicht als Futtermittel deklariert, sondern als Maschinenfett. Das teilte das Kieler Umweltministerium mit.

Laut Berliner Senat gibt es allerdings keine Hinweise darauf, dass belastete Lebensmittel in die Hauptstadt geliefert wurden. "Auch beim einzigen Hühnermastbetrieb der Stadt waren alle Proben unbedenklich", sagte die Senatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, Katrin Lompscher (Linke). Der Betrieb habe auch kein belastetes Futtermittel erhalten. Angesichts der entdeckten Dioxinbelastung auch bei Schweinefleisch in Niedersachsen würde jedoch das Ausmaß der Lage jetzt erst deutlich. "Wir stehen erst am Anfang der Aufklärung dieses Skandals", sagte Lompscher am Dienstag vor Journalisten. Lompscher sprach sich besonders für Transparenz der Untersuchungsergebnisse aus. "Wir wollen für die Verbraucher alle Informationen öffentlich machen."

Am Donnerstag werden Bund und Länder zu einer Krisensitzung zusammenkommen, um auch gesetzliche Konsequenzen aus dem Dioxinskandal zu besprechen. Lompscher warnte jedoch davor, nur auf staatliche Kontrollen zu setzen. "An erster Stelle steht die Sorgfaltspflicht der Unternehmen, staatliche Kontrollen können naturgemäß immer nur punktuell sein", so Lompscher.

Der zuständige Veterinär des Landkreises Verden, Peter Rojem, sagte, bei einer Probeschlachtung seien im Schweinefleisch 1,5 billionstel Gramm Dioxin pro Gramm Fett gefunden worden. Der Grenzwert liegt bei 1,0 billionstel Gramm (Pikogramm). Es sei möglich, dass belastetes Schweinefleisch auf den Markt gekommen ist. Zuletzt seien Schweine am 29. Dezember geschlachtet worden - die Betriebssperrung erfolgte Anfang Januar.

Im Laufe des Tages hat sich die Zahl der in Deutschland aufgrund des Verdachts dioxinbelasteter Futtermittel von den Behörden vorsorglich geschlossenen Betriebe auf 490 reduziert, davon 330 in Niedersachsen, 136 in Nordrhein-Westfalen und 13 in Sachsen-Anhalt.