Berlin-Trend

Umfrage: Wowereit hängt Künast ab

Das Rennen um die Mehrheiten ist neun Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus wieder völlig offen. Auch die Fortsetzung des Bündnisses aus SPD und Linkspartei, die lange Zeit in weiter Ferne lag, ist zu Beginn des Wahljahres wieder möglich.

Erstmals seit zwei Jahren hat Rot-Rot in der Hauptstadt wieder eine knappe politische Mehrheit hinter sich. Das hat der Berlin-Trend von Infratest Dimap im Auftrag der Berliner Morgenpost und der RBB-"Abendschau" ergeben. Infratest Dimap befragte dafür am 5. und 6. Januar telefonisch 1000 wahlberechtigte Berliner.

Anfang Januar hat sich die SPD um zwei Prozentpunkte gegenüber dem November 2010 verbessert und kommt nun auf 29 Prozent. Damit haben die Sozialdemokraten ihre Schwächephase überwunden und erreichen wieder das Niveau aus dem Sommer 2009, das nur wenig unter dem Ergebnis der letzten Wahl 2006 liegt.

Für die Linke sprechen sich unverändert 17 Prozent der Befragten aus. Die Partei hält sich damit seit gut zwei Jahren auf fast unverändertem Stand, ungeachtet aller Debatten über die Führungsmannschaft in ihrer Bundespartei und den neuen Kommunismus-Streit. Mit zusammen 46 Prozent würde Rot-Rot damit derzeit eine knappe Mehrheit der Sitze im Berliner Abgeordnetenhaus bekommen. Wenn der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) will, kann er bei einem solchen Wahlergebnis gemeinsam mit der Linken regieren.

Die Grünen, die im November mit 27 Prozent noch gleichauf mit der SPD lagen, büßen dagegen zwei Punkte ein und kommen nur noch auf 25 Prozent. Seit dem Höchststand von 30 Prozent im September 2010 haben die Grünen also jeden sechsten Unterstützer verloren. Die Union, die am Montag offiziell ihren Spitzenkandidaten Frank Henkel kürte, bleibt schwach, verliert abermals einen Punkt und kommt auf 20 Prozent. Ein politisch schwieriges Bündnis aus Grünen und CDU käme nur auf 45 Prozent und wäre schwächer als Rot-Rot. Henkel zeigte sich dennoch optimistisch: "Diese Koalition ist am Ende", sagte der CDU-Kandidat, "wir bieten eine klare Alternative an."

Die FDP legt zwar einen Punkt zu, steckt aber weiter in der Krise und würde mit vier Prozent den Einzug ins Landesparlament verfehlen. Die sonstigen Parteien kommen zusammen unverändert auf fünf Prozent. Weil somit insgesamt neun Prozentpunkte für die Verteilung der Abgeordnetenhaussitze wegfallen, reichen die 46 Prozent Rot-Rot für einen knappen Vorsprung im Parlament.

SPD-Spitzenkandidat Klaus Wowereit muss allerdings nicht die rot-rote Option wahrnehmen. Er könnte sich nach derzeitigem Stand zwischen drei möglichen Partnern entscheiden. Eine Mehrheit hätte die SPD sowohl mit den Grünen, der Linken und mit der CDU. Eine politische Option für eine Mehrheit ohne die SPD gibt es dagegen im Moment nicht.

Die Dominanz des Regierenden Bürgermeisters zeigt auch die Frage, für wen sich die Berliner bei einer Direktwahl des Senatschefs entscheiden würden, falls das möglich wäre. 54 Prozent (+ 4) würden Wowereit wählen, nur noch 28 Prozent (- 3) die Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast, die noch in der Jahresmitte 2010 vor Wowereit gelegen hatte.

Insgesamt ist die Stimmung der Berliner im neuen Jahr eher verhalten. 20 Prozent sind der Ansicht, ihre persönliche wirtschaftliche Lage werde sich 2011 verbessern. Ein größerer Anteil der Befragten - 26 Prozent - geht jedoch eher von einer Verschlechterung der persönlichen Situation aus. 52 Prozent glauben, es werde sich nichts verändern. Vor allem die Älteren sind pessimistisch. 43 Prozent der Menschen über 60 sagen, es werde ihnen 2011 schlechter gehen. Positive Perspektiven sehen die Jüngeren für sich. Unter den 25 bis 34 Jahre alten Hauptstädtern glaubt jeder Zweite, seine ökonomische Lage werde sich bessern.