Abgeordnetenhaus

S-Bahn-Chaos: Grube kündigt neue Entschädigungen für Fahrgäste an

Die krisengeplagten Fahrgäste der Berliner S-Bahn können auf neue Entschädigungen hoffen. Eine Normalisierung des Verkehrs ist hingegen nicht in Sicht. So lauteten am Montag die zentralen Botschaften, die Bahn-Chef Rüdiger Grube im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses vortrug.

Wie hoch die Entschädigung ausfällt und wann sie kommt, auf diese Fragen gab es hingegen noch keine Antwort. Laut Grube sind noch Abstimmungen mit den landeseigenen Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) nötig, bevor - wohl Ende Januar - das neue Entschuldigungspaket verkündet wird. Berliner Spitzenpolitiker äußerten sich ebenso enttäuscht wie der Fahrgastverband Igeb.

Die Geduld der Kunden sei schon überstrapaziert worden, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). "Ich fordere die Deutsche Bahn erneut auf, umgehend ein Entschädigungsangebot für die bisher eingetretenen Zugausfälle zu machen." Zur Bewältigung der Krise will die Deutsche Bahn in diesem Jahr insgesamt 120 Millionen Euro in ihre Berliner Nahverkehrstochter investieren. Bis 2014 erwartet der Konzern durch das S-Bahn-Desaster einen Verlust von 700 Millionen Euro. 2011 steht laut Grube die Behebung einer ganzen Reihe technischer Mängel im Mittelpunkt. Insgesamt 9000 Räder, 4500 Achsen und 3000 Fahrmotoren sollen gewechselt und die Elektronik künftig besser vor Feuchtigkeit und Flugschnee geschützt werden. Grube machte erneut Konstruktionsmängel an den Zügen der modernsten und zahlenmäßig wichtigsten Baureihe 481 für die nun schon zwei Jahre währende Dauerkrise verantwortlich. Eine verlässliche Lösung, so ist inzwischen auch der Bahn-Chef überzeugt, könnten nur neue Züge bringen. Er forderte die Länder und den Bund auf, möglichst schnell eine gemeinsame Lösung zu finden. Bis zu fünf Jahre werde es aber vom Zeitpunkt der Bestellung an dauern, bis die ersten neuen Wagen über das Berliner Netz rollen könnten, sagte Grube. 700 Doppelwagen im Wert von zwei Milliarden Euro wären nötig.

Auch bundesweit steht die Bahn wegen des Winter-Chaos unter Druck. Die Verkehrsminister der Länder forderten den Bund auf, mehr zu investieren. Die Bahn sei chronisch unterfinanziert. Demnach sollte die Dividende der Bahn an den Bund in Höhe von 500 Millionen Euro wieder in die Schieneninfrastruktur fließen. Grube sagte bei der Sondersitzung auch für den Fernverkehr Verbesserungen zu, Garantien für den nächsten Winter könne er aber nicht geben. Neben Geld für Züge würden auch die Mittel für den Ausbau der Schienenwege fehlen.