Verseuchtes Futtermittel

Dioxin auch in Hühnerfleisch entdeckt

Im Dioxinskandal ist das Gift erstmals auch in Hühnerfleisch nachgewiesen werden. Betroffen sind nach Angaben des Bundesagrarministeriums in Berlin drei Legehennen in einem Betrieb in Nordrhein-Westfalen. Das Fleisch sei aber nicht in den Verkehr gelangt, so Ministeriumssprecher Holger Eichele.

Legehennen werden unter anderem auch als Suppenhühner verkauft. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium rechnet damit, dass allein in Niedersachsen außerdem Zehntausende Schweine mit Dioxin belastet sein dürften. Südkorea und Großbritannien verhängten erste Handelsrestriktionen. In Berlin gibt es bislang keine Dioxin-Funde. Einer Umfrage zufolge verzichtet inzwischen jeder Fünfte in Deutschland auf den direkten Verzehr von Eiern.

Eichele zufolge wiesen Proben aus dem Fettgewebe dreier Legehennen erhöhte Dioxingehalte von 4,99 Pikogramm (billionstel Gramm) Dioxin je Gramm Fettgewebe auf. Der Grenzwert liegt bei zwei Pikogramm je Gramm (pg/g). Die drei Tiere stammten aus einem Betrieb, aus dem auch belastete Eier kamen. "Die Tiere wurden getötet und die Tierkörper unschädlich vernichtet", sagte Eichele. Insgesamt wurden schon am Montag 8000 der 80 000 Legehennen des Betriebs wegen möglicher Dioxinbelastung geschlachtet. Bei mehreren Eigenkontrollen von Hähnchen, Mastputen und Schweinefleisch weiterer Betriebe seien die Grenzwerte dagegen eingehalten worden, sagte Eichele weiter.

Niedersachsen rechnet dennoch mit Zehntausenden dioxinbelasteten Schweinen. Das Land hat vorsorglich insgesamt 3285 Schweine-Betriebe mit einem vorläufigen Handelsverbot belegt. Agrarstaatssekretär Friedrich-Otto Ripke (CDU) erwartet, dass die Schweine von 95 Prozent der Betriebe nicht belastet seien. Allein die verbleibenden fünf Prozent entsprächen jedoch 164 Betrieben. Die Sperrung sei angeordnet worden, um mögliche Exportprobleme und Sanktionen durch die EU zu verhindern, sagte der Staatssekretär in Hannover.

Die EU beobachtet den Skandal aufmerksam. Wie EU-Gesundheitskommissar John Dalli der Berliner Morgenpost am Sonnabend sagte, wolle man die Überwachung von Dioxin in Futtermitteln EU-weit verschärfen.

Südkorea hat unterdessen einen Importstopp für deutsches Schweinefleisch verhängt. Britische Supermärkte nehmen Produkte, die von deutschen Dioxin-Eiern verseucht sein könnten, aus dem Regal, vor allem Kuchen und Törtchen. Laut der zuständigen Behörde Food Standards Agency (FSA) sei der Dioxingehalt bei der Verarbeitung aber so weit verdünnt, dass kein Risiko bestehe.

In Berlin gibt es laut der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz bislang keine Hinweise auf dioxinbelastete Hühner. Man könne nicht einfach lostesten, wenn noch nicht klar sei, wo überhaupt verseuchte Futtermittel hingeliefert worden seien, sagte Marie-Luise Dittmar, Sprecherin von Senatorin Katrin Lompscher (Linke), der Morgenpost. "Die Lieferwege sind rückverfolgbar, aber das dauert. Berlin kann da nichts beschleunigen."

Inzwischen essen 21 Prozent der Deutschen keine Eier mehr, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die "Bild am Sonntag" ergab. Allerdings werden Eier auch in vielen Nahrungsmitteln wie Nudeln oder Gebäck verarbeitet.