Literatur

Sie gab Trost: Die Lyrikerin Eva Strittmatter ist tot

Auflagen von mehr als zwei Millionen Exemplaren: davon träumen nicht nur Lyriker, aber für diese Sorte Schriftsteller sind das besonders phantastische Zahlen.

Bei Eva Strittmatter jedoch wurden sie Wirklichkeit. "Ich mach ein Lied aus Stille. / Ich mach ein Lied aus Licht. / So geh ich in den Winter. / Und so vergeh ich nicht." Verse von dieser einprägsamen Einfachheit waren ihr Markenzeichen. In der ehemaligen DDR kannte sie jedes Kind. Mit Gedichtbänden, die so poetische Titel wie "Mondschnee liegt auf dem Wasser" oder "Die eine Rose überwältigt alles" und zuletzt (2009) "Wildbirnenbaum" trugen, schrieb sich die Frau aus der Fontane-Stadt Neuruppin, wo sie am 8. Februar 1930 zur Welt kam, in die Herzen ihrer Landsleute.

Diese verziehen ihr umso lieber und schneller, dass sie nicht gerade zu den dissidenten Autoren der DDR gehört hatte, als sie in den Gedichten Eva Strittmatters oft Halt und Trost gefunden hatten.

Eva Strittmatter, als Germanistin und Lektorin ausgebildet, debütierte erst mit 43 Jahren. Doch ihre liedhafte Naturlyrik kam gerade in ihrem Verzicht auf alles Politische, Ideologische in den siebziger Jahren gut an. Der ewige Rhythmus der Jahreszeiten, aber auch das Erblühen und Absterben der menschlichen Gefühle: das waren ihre Themen. Ihre Kunst wiederum lag in glasklarer Durchsichtigkeit und Verständlichkei. Dabei stand sie freilich lange Jahre im Schatten ihres Mannes, des berühmten Romanciers Erwin Strittmatter.

Eva Strittmatter, die auch Prosa und Kinderbücher verfasste, ließ sich erst durch eine schwere Krankheit dazu bewegen, nach Berlin zu übersiedeln. Dort ist sie nun wenige Wochen vor ihrem 81. Geburtstag gestorben. Ihre Bücher, von den Verlagen Das Neue Berlin und Aufbau betreut, werden sicherlich dafür sorgen, dass diese Dichterin nicht so bald vergessen wird.