Lebensmittelskandal

Dioxin im Futter: Ministerium sperrt 1000 Höfe

Ein bundesweiter Dioxinalarm in der Landwirtschaft schreckt Bauern, Verbraucher und Behörden auf. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hat wegen Dioxinfunden in Eiern jetzt rund 1000 landwirtschaftliche Betriebe gesperrt. Auch in Brandenburg ist ein Schweineaufzuchtbetrieb vorsorglich geschlossen worden.

Darüber hinaus sollen zwei sächsische Agrarbetriebe möglicherweise mit Dioxin verseuchtes Futter erhalten haben. Dort seien jetzt die Veterinärämter aktiv, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. In Sachsen-Anhalt haben mindestens vier Agrarbetriebe mit Dioxin belastetes Futter erhalten. Auch dort sind die betroffenen Höfe seien vorsorglich gesperrt worden.

In Nordrhein-Westfalen sind laut Medienberichten nicht nur einzelne Höfe, sondern gleich drei Mischfutterhersteller mit gepanschten Produkten einer Firma aus Schleswig-Holstein beliefert worden. Insgesamt 14 Betriebe an Rhein und Ruhr dürfen weder Eier noch Fleisch ausliefern, weil sie belastetes Futter verwendet haben sollen. Experten rechnen damit, dass sich die Zahl der betroffenen Betriebe bundesweit erheblich erhöhen wird. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe nahm Ermittlungen auf. "Wir prüfen, ob eine Straftat vorliegt", sagte Oberstaatsanwalt Ralph Döpper.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sah zunächst jedoch keine akute Gesundheitsgefahr für die Verbraucher. Ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums erklärte in Berlin: "Entscheidend ist, dass verunreinigtes Futter sichergestellt wird und belastete Produkte nicht in den Handel gelangen."

Es werde absehbar "mindestens Wochen dauern, ehe die Produkte dieser Betriebe auf Dioxin untersucht werden können", sagte ein Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums. Doch "Verbraucherschutz hat für uns Vorrang". Grundlage für die Sperrung der landwirtschaftlichen Betriebe seien die inzwischen ausgewerteten Lieferlisten eines Mischfutterwerks in Schleswig-Holstein, über das nach Angaben des Sprechers bäuerliche Betriebe in der gesamten Bundesrepublik Tierfutter bezogen haben.

Betroffen sind nicht nur Farmen mit Legehennen, sondern auch Schweine- und Putenzüchter. Zehntausende Eier und große Mengen Fleisch dürfen die Höfe nicht verlassen, bis Tests belegen, dass die Produkte unbedenklich sind. Zehntausende Hühnereier mussten gestern in Niedersachsen auf den Sondermüll gebracht werden, 8000 Legehennen wurden in Nordrhein-Westfalen notgeschlachtet, um nicht in den Nahrungskreislauf der Menschen zu geraten. In Thüringen wurde kontaminiertes Futtermittel in einer Schweinezucht entdeckt, was noch nicht das Ende der Dioxinfunde sein dürfte. Der jüngste Futtermittelskandal der Republik könnte auch Berlin erreichen: Experten gehen davon aus, dass kontaminierte Waren deutschlandweit in den Handel gelangten.

Die betroffenen Bauern fürchten um ihre Existenz. Die Verursacher hätten ohne Wenn und Aber für den Schaden einzutreten, forderte der Deutsche Bauernverband in Berlin. Es müsse verhindert werden, dass Vermarktungsverbote die Existenz von Betrieben bedrohten.