Tegel

Wir haben noch Tausende Koffer in Berlin

Das Schneechaos hat sich gelegt, die Schlangen am Flughafen Tegel sind geblieben. Vor der Gepäckermittlung stehen frustrierte Reisende, die ihre Koffer suchen. Der Ärger ist groß. Kein Wunder: Auf mehr als 3000 herrenlosen Gepäckstücken sitzt der Servicebetrieb GlobeGround. Nach dessen Auskunft ist das Gepäck in einer Halle gelagert. Augenscheinlich aber auch im Freien.

Der Hauptteil der Gepäckstücke - rund 2000 - gehört Lufthansa-Fluggästen. "In den nächsten zwei bis drei Tagen werden wir das abarbeiten", versprach Sprecher Wolfgang Weber am Montag. Zur Weihnachtszeit seien mehr als 4500 Koffer der Lufthansa in Tegel liegen geblieben. Das Problem sei jedoch ein weltweites. Es habe Jumbos aus New York gegeben, bei denen wegen des Wintereinbruchs zu Weihnachten kein einziger Koffer an Bord geschafft wurde. Es sei klar, dass alle Koffer mit dem Label TXL nach Berlin geschickt worden seien. Dass das Problem hier größer als in anderen Städten wurde, liege daran, dass Berlin ein sehr beliebtes Ziel ist. In London und Paris gäbe es aber ähnliche Probleme.

Wenn sie Glück hat, gehört einer der Koffer in Tegel Luise Martel aus Montréal. Die Kanadierin landete am 20. Dezember in Frankfurt, konnte von dort wegen des Schneechaos nicht weiter nach Berlin fliegen und stieg deshalb auf die Bahn um. Der Koffer sollte ihr laut Auskunft der Lufthansa nach Berlin nachreisen. Ob das wirklich passiert ist, kann in Tegel niemand bestätigen. "Es ist so frustrierend", beschwert sich die Kanadierin, die mit einem Berliner verheiratet ist. Kein Weihnachtsgeschenk habe sie unter den Baum legen können. "Schlimmer noch als das aber ist, dass ich meinen Urlaub damit verbringe, ständig zum Flughafen zu fahren und nach dem Verbleib meines Koffers zu fragen." Telefonisch ist bei GlobeGround niemand zu erreichen. Das bestätigen Betroffene. "Wir versuchen, so viele Mitarbeiter wie möglich für das Sortieren des Gepäcks einzusetzen", begründet Sprecherin Susanne-Katharina Kahland den Informationsnotstand. Es sei ohnehin besser, wenn die Betroffenen warteten, bis sich GlobeGround melde.

Luise Martel hat noch bis Sonntag Zeit, auf diesen Anruf zu warten. Dann geht ihr Flieger zurück nach Kanada.