Insolvenzen

Pleitewelle bei Berliner Unternehmen

Die Finanzkrise hinterlässt ihre letzten Spuren in der Berliner Wirtschaft. Im gerade zu Ende gegangenen Jahr stieg die Zahl der Firmenpleiten im Vergleich zu 2009 um 6,7 Prozent. Insgesamt meldeten nach den Zahlen des Auskunftsunternehmens Creditreform 1590 Unternehmen Insolvenz an - genau 100 mehr als ein Jahr zuvor.

"Das sind die weiteren Auswirkungen der Wirtschaftskrise aus 2009, die Berlin jetzt stärker erreichen", sagte Hans-Ulrich Fitz aus der Geschäftsführung von Creditreform Berlin. Für die nächsten Jahre erwartet er jedoch deutlich weniger Pleiten in der Hauptstadt.

Laut Creditreform hingen an den knapp 1600 Firmen rund 4500 Arbeitsplätze. Schlecht laufende Geschäfte und eine geringe Eigenkapitalquote brachten Unternehmen 2009 während der Wirtschaftskrise in Bedrängnis, 2010 ging dann vielen endgültig die Luft aus. "Der überwiegende Teil der insolventen Firmen sind Dienstleistungsunternehmen mit geringer Beschäftigungsquote", sagte Fitz.

Im bundesdeutschen Vergleich gehen Berliner Firmen besonders häufig pleite. Je 10 000 Unternehmen gibt es in der Hauptstadt 120 Pleiten. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 101. In ganz Deutschland ging die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2010 zurück. 32 100 Firmen waren nicht mehr zahlungsfähig. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Rückgang um 2,5 Prozent.

Berlins Wirtschaft wird von kleinen und mittleren Unternehmen dominiert. Diese verfügen traditionell über weniger Eigenmittel als große Firmen. Das bedeutet: Das finanzielle Polster für schlechte Zeiten ist dünn und wird in einer Rezession schnell aufgebraucht. Solche Unternehmen haben dann in einer Krise auch große Probleme, von Banken Kredite zu bekommen. "Es gibt in Berlin relativ wenige kapitalstarke Firmen", sagte Fitz.

Aber es gibt auch einen Lichtblick: In keinem anderen Bundesland werden - bezogen auf je 10 000 Einwohner - so viele Unternehmen gegründet wie in der Hauptstadt. Im vergangenen Jahr waren es 1310, gefolgt von Brandenburg (950) und Hamburg (940). Die Umstände für Gründer sind gerade günstig. Die Konjunkturlage bietet Chancen. Zudem sind Banken weniger restriktiv bei der Kreditvergabe. Das aber erhöht die Überlebenschancen der Firmen.

Einen Zuwachs gab es im vergangenen Jahr auch bei den Verbraucherinsolvenzen in Berlin. Insgesamt 6440 zahlungsunfähige Privatpersonen unterzogen sich 2010 diesem Verfahren. Das entspricht einem Plus von drei Prozent im Vergleich zu 2009. Fitz zufolge stehen Privat- und Firmeninsolvenzen in engem Zusammenhang. "Meist sind es kleine Gesellschaften, deren Eigenkapitalquote gering ist, die aufgeben müssen. Oft wird dann auch Privatinsolvenz angemeldet", sagte Fitz.

Die Zahlen zur Privatinsolvenz sagen jedoch kaum etwas über die finanzielle Lage der Berliner aus. Überschuldet sind sehr viel mehr Menschen in der Hauptstadt. Dem harten und komplizierten Verfahren der Verbraucherinsolvenz unterzieht sich nur ein Bruchteil der privaten Schuldner. Zwar steht am Ende dieses Verfahrens die Befreiung von etwaigen Restschulden. Das dauert jedoch Jahre, und in der Zeit muss ein Schuldner harte Verhaltensregeln befolgen.

Laut dem Schuldenatlas, der ebenfalls von Creditreform erstellt wird, kann jeder achte Berliner seine Verbindlichkeiten nicht begleichen. Das sind insgesamt 370 000 Einwohner der Stadt. In Deutschland gilt jeder Zehnte als überschuldet, insgesamt sind es 6,5 Millionen der über 18-Jährigen.