Tariferhöhung

Die schiefe Rechnung der S-Bahn

Die Rechnung ist ganz einfach, leuchtet aber dennoch nicht ein: Die S-Bahn reduziert ihr Angebot - und erhöht die Tarife.

Mit dem Jahreswechsel sind die Preise für die Fahrscheine bei BVG und S-Bahn deutlich gestiegen, vor allem für Gelegenheitskunden. Dennoch hat das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn ihr Angebot nicht etwa gesteigert, sondern erneut ausgedünnt. Seit Sonntag sind nur noch rund 200 Viertelzüge unterwegs - das ist gut ein Drittel des Normalangebots von 562. Die Streckenabschnitte Strausberg-Strausberg Nord, Spandau-Westkreuz, Wartenberg-Springpfuhl und Hennigsdorf-Schönholz hat die S-Bahn - wie die Morgenpost exklusiv berichtete - sogar ganz aufgegeben, hier fährt vorläufig gar kein Zug mehr.

Während die Rechnung der S-Bahn unverständlich ist, ist die des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) deutlich besser nachzuvollziehen. Er fordert angesichts der verwaisten Schienen und übervollen Bahnhöfe, des "Debakels", wie er es nennt, eine "schnelle und angemessene" Entschädigung für die Kunden. Noch besser: "Die Kunden haben ein Anrecht auf Lieferung der mit dem Fahrschein erworbenen Leistung." Könne die S-Bahn diese nicht erbringen, seien finanzielle Ausgleichszahlungen "zwingend geboten". Das dürfte der S-Bahn eigentlich nicht schwerfallen. Ganz simpel gedacht, spart sie schließlich auch durch das verringerte Angebot Betriebskosten ein, kassiert aber mehr für die Fahrscheine, müsste also unter dem Strich mehr Geld übrig behalten. Eine Bahn-Sprecherin wollte sich zu Entschädigungen allerdings nicht äußern. Inzwischen versucht die BVG, das Mehr an Kunden aufzufangen. Die Berliner sind es jedenfalls leid. Mittlerweile ist in der Stadt schon die bitterböse Forderung zu hören, die S-Bahn doch einfach vier Wochen komplett stillzulegen, um in dieser Zeit endlich wirklich alle Mängel zu beseitigen.