Abrechnungsbetrug

Neue Razzien: Berliner Klinikskandal weitet sich aus

Der im Sommer aufgedeckte Betrugsskandal an DRK-Kliniken weitet sich zum größten Fall von Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen in der Geschichte Berlins aus.

Insgesamt soll ein Mindestschaden in zweistelliger Millionenhöhe entstanden sein. 350 Polizisten durchsuchten gestern Morgen rund 150 Privatadressen und medizinische Einrichtungen des DRK. Dazu gehörten neben Büros der DRK-Krankenhäuser in Mitte, Westend und Köpenick auch die angeschlossenen medizinischen Versorgungszentren (MZV), die DRK-Firmensitze sowie 86 Wohnungen von Geschäftsführern und Ärzten, zwölf davon in anderen Bundesländern. Der Verdacht lautet auf gewerbs- und bandenmäßigen Betrug. Mittlerweile gibt es 62 Beschuldigte, davon etwa fünf auf der DRK-Führungsebene.

"Vorwiegend zählen Ärzte zu den Beschuldigten, außerdem gehört etwa eine Handvoll der Verdächtigen der Führungsebene des DRK an", sagte Oberstaatsanwalt Frank Thiel. Bei den Razzien seien große Mengen von Dokumenten sichergestellt worden. Festgenommen wurde zunächst niemand. "So einen Fall hat es in Berlin noch nicht gegeben", sagte Karsten Fischer vom Landeskriminalamt.

Am 9. Juni hatten Razzien in den DRK-Kliniken zur Festnahme eines Chefarztes und zweier Geschäftsführer wegen des Verdachts des Abrechnungsbetrugs geführt. Vor allem in den radiologischen Abteilungen der Krankenhäuser bestand der Verdacht, dass Assistenzärzte Untersuchungen und Leistungen erbracht hatten, zu denen sie nicht befugt waren. Laut Abrechnungen sollen diese Behandlungen aber von dafür zugelassenen Medizinern erfolgt und entsprechend honoriert worden sein. Die Ermittler haben nun alle Fachbereiche der MVZ in Verdacht. Zusätzlich ist von "Scheinarbeitsverträgen" die Rede. Demnach sollen niedergelassene Ärzte ihre Zulassungen an die DRK-Zentren verkauft haben, dort aber nur auf dem Papier beschäftigt worden sein. Die Behandlungsleistungen sollen stattdessen von dafür nicht zugelassenen Medizinern erbracht worden sein.