Mathe-Test: Schüler unterliegen vor Gericht

- 28 000 Zehntklässler in Berlin kommen um die Wiederholung ihrer Mathematik-Prüfung für den mittleren Schulabschluss nicht herum. Das Verwaltungsgericht Berlin wies gestern zwei Eilanträge einer Schülerin und eines Schülers gegen die von Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) für den kommenden Montag angesetzte Wiederholung zurück. Vor der am 11. Juni abgelegten ersten Prüfung waren die Mathe-Aufgaben an 87 von 346 beteiligten Schulen vorher in den Besitz zahlreicher Schüler gelangt.

Zöllner betonte vor dem Schulausschuss des Abgeordnetenhauses, wegen der zwingend erforderlichen Chancengleichheit für alle Schüler sei die Wiederholung der Prüfung "die einzig realistische und gerechte Lösung". Das Verwaltungsgericht folgte dieser Auffassung, es habe keine Alternative gegeben. Zu viele Prüfungen hätten als fehlerhaft angesehen werden müssen, und es hätte die Gefahr bestanden, "dass das Leistungsbild insgesamt verfälscht wurde" (VG 3 A 220.08 und 221.08). Die 3. Kammer des Gerichts ließ die Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg zu. Die Rechtsanwältin einer Zehntklässlerin will diese Möglichkeit auch wahrnehmen.

Zöllner teilte den Parlamentariern mit, dass die Prüfungsaufgaben "im Internet, auf der Straße, im Schulgebäude und per Handy kostenfrei und auch gegen Geld" angeboten worden seien. Dies gelte für alle Bezirke. Das Gericht verwies darauf, dass in einigen von Schülern während der Prüfung benutzten Toiletten Lösungshinweise gefunden worden seien. Auffällig viele und besonders in Mathematik schwächere Schüler hätten ihre Aufgaben vorzeitig beendet. Bei ersten Durchsichten der Arbeiten seien "deutlich bessere Ergebnisse als bei früheren Klassenarbeiten festgestellt worden". Seite 11