Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller

Freude bei den Nachbarn in Friedenau

Großer Bahnhof gestern Nachmittag in der Friedenauer Menzelstraße. Fotografen, Kameraleute, Journalisten drängen in das Haus, in dem die frisch gebackene Nobelpreisträgerin wohnt.

Am gelassensten reagieren noch die Nachbarn der Schriftstellerin auf die Nachricht, dass Herta Müller die zehnte Deutsche ist, der die höchste Auszeichnung der literarischen Welt verliehen wird. Joachim Elbertzhagen, der eine Etage über Müller wohnt, kommentiert lapidar: "Ich freue mich für sie." Er habe kürzlich eine Besprechung ihres Buches "Atemschaukel" gelesen und überlegt, den Roman zu kaufen, weil ihn das Thema Zwangsverschleppung der Rumäniendeutschen interessiere. Evy Bartels - sie wohnt unter der Preisträgerin - freut sich sehr für "unsere Herta", wie sie sagte. Müller kümmere sich leidenschaftlich um den Garten im Hinterhof.

Auch die ebenfalls in Berlin lebende Mutter der Literatur-Nobelpreisträgerin meldete sich gestern zu Wort: "Ich bin stolz auf sie und ich freue mich sehr, dass sie es geschafft hat", sagte die 84-jährige Catarina Müller. "Ich habe ihr vorher gesagt, du gehörst zu den Favoriten, und sie meinte nur: ,Ja, von sechs anderen'." "Es ist schön für sie, aber als Mutter wäre ich auch froh, wenn sie mehr bei mir wäre", so die Rentnerin. "Ich wollte, dass sie Lehrerin bleibt, was sie ja mal angefangen hat. Der Beruf der Schriftstellerin war mir eigentlich nicht so recht. Man schläft doch auch ständig in anderen Betten bei diesen vielen Veranstaltungen und Lesereisen." Das wird wohl nicht weniger werden in den kommenden Wochen und Monaten.