Betrug bei Mathe-Prüfung: Senat schaltet Polizei ein

- Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) beharrt nach dem Betrug bei den Mathematikarbeiten für den mittleren Schulabschluss auf einer Wiederholung der Prüfungen. Zöllner sprach gestern im Abgeordnetenhaus von einem "gewaltigen Ausmaß" von bekannt gewordenen Fällen. In "Form und Größenordnung" sei auch ein relevanter Straftatbestand gegeben. Der einzige Ausweg "aus dieser nicht schönen Situation" sei, dass alle den Test noch einmal schreiben. Nur so lasse sich eine faire Behandlung aller Schüler gewährleisten.

Die Senatsbildungsverwaltung hatte am Mittwoch mitgeteilt, schon kurz vor den Prüfungen am Mittwoch sei festgestellt worden, dass Jugendliche von deutlich mehr als einem Dutzend Schulen vorab in den Besitz der Aufgaben gekommen waren. Die Prüfungen sollen am 23. Juni wiederholt werden. Betroffen sind rund 28 000 Berliner Schüler an 346 Schulen. Die Bildungsverwaltung hat unterdessen Anzeige gegen unbekannt gestellt. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Zöllner sagte im Abgeordnetenhaus, es müsse auch davon ausgegangen werden, dass viele Schüler die Antworten kannten, bei denen es nicht aufgefallen sei. Noch sei nicht bekannt, "worauf die Panne beruht". Allerdings weiß der Bildungssenat nun, dass die Fragebögen der zentralen Prüfung an den Schulhöfen verkauft wurden und schon seit einiger Zeit in Umlauf waren.

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Sascha Steuer, vermutete, dass Lehrer in die Sache involviert seien, die die schlechte Situation an den Berliner Schulen und Defizite in der Pädagogik vertuschen wollten.

Der Landeselternausschuss lehnt eine Wiederholung der Mathematikarbeiten unterdessen weiter ab. Das vorzeitige Bekanntwerden der Aufgaben sei letztendlich durch Mitarbeiter der Senatsbildungsverwaltung ermöglicht worden, erklärte der Ausschuss. Dafür könnten nicht die Schüler verantwortlich gemacht werden. Die Eltern fordern, dass rechtlich geprüft werden solle, ob der Senat eine Wiederholung festlegen darf. S. 2 u. 12