28000 Schüler müssen die Mathe-Prüfung wiederholen

- 28 000 Schüler der 10. Klassen in Berlin müssen die gestrige zentrale Prüfung in Mathematik wiederholen, weil die Aufgaben bereits zuvor bekannt geworden waren. Direkt im Anschluss an die Prüfung hatte die Senatsbildungsverwaltung Hinweise erhalten, dass mehrere Schüler an etwa einem Dutzend Schulen die Aufgaben bereits kannten und auf Spickzetteln die Lösungen notiert hatten. Laut Bildungsverwaltung wurde bereits Anzeige gegen Unbekannt erstattet. "Ideen, wo die undichte Stelle sein könnte, gibt es viele", sagte der Sprecher der Senatsverwaltung, Kenneth Frisse, zu dem Vorfall. Konkrete Anhaltspunkte gebe es allerdings noch nicht. Die Prüfung werde am 23. Juni wiederholt.

Die zentrale Prüfung erfolgt in den Fächern Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache. Sie ist ein Punkt des neuen Schulgesetzes, und wird seit einem Jahr geschrieben. Nur wer diesen Test erfolgreich besteht, kann in die Oberstufe wechseln.

Obwohl noch unklar ist, wie viele Schüler Zugang zu den Aufgaben und den Lösungen hatten, müssen alle Zehntklässler der 346 betroffenen Schulen die Prüfung erneut schreiben. Staatssekretär Eckart Schlemm bedauert diesen Umstand, sieht aber keine andere Möglichkeit: "Wir müssen für gleiche Chancen für alle sorgen. Wenn auch nur ein Fall von Vorabveröffentlichungen bekannt wird, muss die gesamte Prüfung wiederholt werden." Der Vorsitzende des Landeselternausschusses Berlin, André Schindler, sagte, dass die Belastung für die Schüler enorm sei. Außerdem wäre es ungerecht, sollten sie sich in der Wiederholungsklausur verschlechtern. Das sehen die Schüler auch so: Am Abend erschien im Internet ein Aufruf zu einer Demonstration am 16. Juni vor dem Roten Rathaus.

Offen bleibt bislang, wie die Aufgaben in Schülerhände fielen. Die Testbögen zum Mittleren Schulabschluss (MSA) werden am Abend vor der Prüfung an die Schulen gebracht und über Nacht im Tresor verwahrt. Seite 16