Verkehr

Senatorin streicht der S-Bahn 45 Millionen Euro

Das Chaos bei der S-Bahn hat für das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn schwere finanzielle Konsequenzen. Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) kündigte gestern an, dem Unternehmen in diesem Jahr voraussichtlich 45 Millionen Euro nicht auszuzahlen.

Schon im vergangenen Jahr hatte die S-Bahn wegen der chaotischen Zustände auf den Schienen vom Senat 37 Millionen Euro weniger erhalten als ursprünglich vereinbart. Bei normalem Betrieb würde die S-Bahn pro Jahr 232 Millionen Euro vom Land Berlin bekommen.

Das 2009 eingesparte Geld kommt dennoch dem Nahverkehr zugute. Junge-Reyer will in Verbesserungen bei der BVG investieren Vor allem sollen 59 Straßenbahn- und 40 Bushaltestellen so umgebaut werden, dass sie für Behinderte zugänglich sind. Allein 6,5 Millionen Euro fließen in einer ersten Tranche in die Modernisierung von U-Bahn-Wagen aus den 70er-Jahren. Was mit den 2010 einbehaltenen 45 Millionen Euro geschehen soll, werde Ende des Jahres entschieden.

Junge-Reyer äußerte gestern erneut ihre Verärgerung darüber, dass die S-Bahn nicht in der Lage sei, zu sagen, mit wie vielen Wagen und mit wie langen Zügen sie von September an fahren werde. Falls klare Aussagen ausbleiben sollten, werde der Senat bei der Konzernspitze Druck machen, bekräftigte sie. Zudem forderte sie das S-Bahn-Management auf, die Gründe für die Verzögerungen klar zu benennen. Die S-Bahn blieb gestern bei ihren bisherigen Aussagen. Hauptgrund sind demnach Lieferengpässe bei Ersatzteilen. Die Industrie habe bisher keine Termine für die Lieferung von Rädern und Achsen nennen können, sagte ein Sprecher. Die S-Bahn wollte nach früheren Ankündigungen im September wieder 459 ihrer gut 630 Doppelwagen betriebsbereit haben. Zuletzt waren nicht mehr als 416 im Einsatz. Die CDU warf Junge-Reyer vor, eine Mitschuld an dem Chaos zu tragen.