Wehrpflicht

Ministerin plant freiwilligen Zivildienst - auch für Frauen

Im Zuge der näher rückenden Aussetzung der Wehrpflicht will Bundesfamilienministerin Kristina Schröder bundesweit einen freiwilligen Zivildienst einführen. Um zumindest 35 000 der zurzeit 90 000 Stellen besetzen zu können, plant die CDU-Politikerin eine kleine Revolution: Künftig sollen nicht nur junge Männer die Stellen in Altenheimen, Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen besetzen.

Der freiwillige Zivildienst könnte für Menschen jeden Alters geöffnet werden, sagte Schröder und fügte hinzu: "Da ist ein Schatz an Engagement, den wir noch nicht gehoben haben." Darüber hinaus plant die Ministerin auch eine Öffnung für Frauen: "Diese Möglichkeit habe ich, und ich werde sie nutzen."

Konkret soll die Regeldauer für diese Art Soziales Jahr ein Jahr, die Mindestdauer sechs und die Höchstdauer 18 Monate sein, in Ausnahmefällen aber auch 24 Monate. Unabdingbar sei zudem, dass bei einer bloßen Aussetzung der Wehrpflicht gleichzeitig die Möglichkeit erhalten bleibe, den Zivildienst als Wehrersatzdienst wieder einzuführen.

Zuvor hatte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) angekündigt, dass er die Wehrpflicht aussetzen wolle. Vor Verteidigungsexperten der Koalitionsfraktionen kündigte er gestern in Berlin zudem an, dass die Truppe in den nächsten Jahren von 252 000 auf 163 500 Soldaten schrumpfen soll. Vorgesehen sind in der neuen Bundeswehr 156 000 Berufs- und Zeitsoldaten sowie 7500 Freiwillige. Dabei soll die Wehrpflicht zwar im Grundgesetz verankert bleiben - es sollen nach Angaben von Guttenberg junge Leute aber nicht mehr gegen ihren Willen eingezogen werden. Freiwillige könnten demnach zwischen zwölf und 23 Monaten dienen. Auch Frauen dürfen sich freiwillig melden. Das neue Modell solle dem Prinzip gerecht werden: "Tu was für Dein Land!", so Guttenberg.

Schröder unterstrich, die Zivildienstleistenden würden einen wertvollen Beitrag zur sozialen Infrastruktur in Deutschland leisten. Im Falle von Veränderungen bei der Wehrpflicht müsse es demnach ein Alternativkonzept geben, um negative Folgen abzufedern. "Ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass wir das, was wir heute haben, komplett ersetzen können", gestand Schröder. Allerdings gelte das Primat der Verteidigungspolitik: "Sie können mit dem Zivildienst nicht die Wehrpflicht begründen."