Gewaltverbrechen

Mit Messer und Axt: Amoklauf im Gymnasium

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Nur ein halbes Jahr nach der Bluttat von Winnenden erschüttert wieder ein Amoklauf Deutschland: Ein 18-Jähriger stürmte gestern Morgen, bewaffnet mit drei Molotowcocktails, zwei Messern und einer Axt, das Gymnasium Carolinum im mittelfränkischen Ansbach, wo er acht Mitschüler und einen Lehrer verletzte.

Ein Mädchen erlitt offenbar durch einen Axthieb schwere Kopfverletzungen und schwebt in Lebensgefahr. Die Polizei stoppte den Amoklauf nur elf Minuten später, als ein Beamter den Täter mit fünf Schüssen aus einer Maschinenpistole niederstreckte und damit Schlimmeres verhinderte. Der 18-Jährige wurde durch Treffer in der Brust schwer verletzt. Das Motiv für den Amoklauf war unklar.

Der Täter hatte nach Polizeiangaben am Morgen in Klassenzimmer der neunten und elften Klasse je einen Molotowcocktail geworfen. Einer davon löste einen Brand aus. Ein Mädchen erlitt schwere Brandverletzungen. Sechs weitere Schüler und ein Lehrer wurden leicht verletzt.

"Wir hatten gerade Englischunterricht, als Feueralarm ausgelöst wurde", schildert die zehnjährige Nicole Trolese die Ereignisse am Morgen. Sie habe zuerst an eine Übung gedacht, dann aber zwei Explosionen gehört: "Viele fingen an zu weinen und hatten Angst."

Es sei vor allem dem couragierten Einsatz eines Mitschülers, aber auch der Besonnenheit der Schulleitung und dem raschen Handeln der Einsatzkräfte zu verdanken, dass der Amoklauf nicht eskaliert sei, lobte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Held des Tages sei demnach ein Schüler der K 13 gewesen. Er hatte nach Angaben der Polizei fünf Minuten nach Beginn des Amoklaufs den Brandgeruch bemerkt und die Einsatzzentrale alarmiert. Anschließend sei er zum Tatort geeilt und habe dort das Feuer im Zimmer der elften Klasse selbst gelöscht. Der Jugendliche ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. In der Zwischenzeit hatte die Schulleitung Feueralarm ausgelöst und das Gebäude mit seinen rund 700 Schülern evakuiert.

Der junge Mann war laut Herrmann bei Polizei und Justiz bislang "nicht in Erscheinung getreten". Einem Bericht des Bayerischen Rundfunks zufolge befand sich der 18-Jährige seit längerem in psychotherapeutischer Behandlung. In seinem Zimmer seien Briefe gefunden worden, in denen von einer bevorstehenden "Apokalypse" die Rede sein soll. Der Täter befindet sich in einem Krankenhaus und konnte zunächst nicht vernommen werden. Die Staatsanwaltschaft beantragte Haftbefehl wegen versuchten Mordes.