Landesunternehmen

Chef-Gehälter in Berlin trotz Krise gestiegen

Die Chefs der Berliner Landesunternehmen haben trotz der Wirtschaftskrise zum Teil deutlich mehr Geld verdient als ein Jahr zuvor. Ein Vergleich unter rund 30 Spitzenmanagern ergab für 2009 ein durchschnittliches Plus von 2,5 Prozent. Dabei waren die Ergebnisse der von ihnen geführten Gesellschaften in der Summe schlechter als in den Vorjahren.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Beteiligungsunternehmen im vergangenen Jahr zusammen 100 Millionen Euro zusätzliche Schulden aufgehäuft haben.

Dennoch gab es teils kräftige Zuschläge: Messe-Geschäftsführer Raimund Hosch verdiente 2009 laut dem Geschäftsbericht 499 000 Euro (plus acht Prozent), sein Co-Geschäftsführer Christian Göke 398 000 (plus sieben Prozent). Spitzenverdiener gibt es auch bei der Investitionsbank Berlin und der Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft, wo die beiden Geschäftsführer zusammen knapp 800 000 Euro bekamen. Mit jeweils mehr als 300 000 Euro im Jahr folgen die Chefs der Verkehrsbetriebe, der Wasserbetriebe und der Stadtreinigung. Vergleichsweise bescheiden wird Zoo-Chef Bernhard Blaszkiewitz mit 130 000 Euro entlohnt.

Damit wuchsen die Bezüge der Vorstände und Geschäftsführer stärker als die Löhne und Gehälter der Normalbürger. Die Berliner verzeichneten laut Statistischem Bundesamt ein durchschnittliches Plus von 0,8 Prozent. Bundesweit gingen die Gehälter sogar erstmals um 0,4 Prozent zurück.

Wirtschaftsstaatssekretärin Almuth Nehring-Venus (Linke) rechtfertigte die kräftigen Gehaltssteigerungen bei der Messe mit der "außerordentlich positiven wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens und der Übererfüllung von unternehmerischen Zielen". Die Messe hatte den Umsatz verglichen mit 2007 um 13 Millionen Euro auf 157,5 Millionen Euro gesteigert; der Überschuss lag bei 200 000 Euro.

Einige Spitzenmanager erhielten aber auch weniger: So sanken die Bezüge für die Vorsitzenden der Klassenlotterie Berlin und der Wohnungsbaugesellschaft Degewo leicht. Joachim Bovelet, Chef des landeseigenen Klinikkonzerns Vivantes, verdiente mit 429 000 Euro etwa fünf Prozent weniger, weil der variable Teil sank. Dafür legten die anderen Vivantes-Geschäftsführer kräftig zu: Personalchef Manfred Rompf erhielt 324 000 Euro (plus elf Prozent), Finanzchef Peter Schnitzler 325 000 Euro (plus 20 Prozent) Die Finanzverwaltung begründet das mit erfolgsabhängigen Vergütungen.

Kritik kam vom Steuerzahlerbund Berlin: "Gehälter, die sich weit oberhalb der Bezüge der Bundeskanzlerin bewegen, sind für die Chefs kommunaler Unternehmen mit höchstens ein paar Tausend Mitarbeitern nicht zu rechtfertigen", sagte der Vorsitzende Alexander Kraus.