Tourismus

Magnet Berlin: Die Welt zu Besuch

Die deutsche Hauptstadt ist als Reiseziel so beliebt wie nie zuvor - und wird von den anderen europäischen Metropolen darum beneidet. Denn während London, Paris oder Madrid die Wirtschaftskrise auch beim Tourismus deutlich zu spüren bekommen, kann Berlin mit einem Besucherrekord glänzen.

Das erste Halbjahr lief für den Tourismus so gut, dass der Chef der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM), Burkhard Kieker, ins Schwärmen geriet: "Der ungebrochene Touristenboom ist ein Riesenkompliment der Welt an Berlin."

Bis Ende Juni kamen 4,2 Millionen Gäste in die Hauptstadt, die Zahl der Übernachtungen stieg um 14,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 9,6 Millionen. Nach 18,87 Millionen Übernachtungen 2009 wird nun der Rekord von 20 Millionen Übernachtungen in diesem Jahr angepeilt. Schon der Juni war ein Rekordmonat: Insgesamt kamen 856 000 Reisende und buchten gut 1,9 Millionen Übernachtungen. Berlin bestätigte damit seine Position als Nummer drei in Europa - hinter London und Paris.

Auch durch sein mittlerweile schon fast mediterranes Klima ist Berlin besonders attraktiv für Europäer geworden. So kommen aus Italien, Spanien, Großbritannien, den Niederlanden und Frankreich schon mehr als 40 Prozent der Berlin-Besucher. Aber auch bei den Ländern der sogenannten BRIC-Märkte (Brasilien, Russland, Indien und China) hat Berlin als Reiseziel an Attraktivität deutlich zugelegt: 30 Prozent mehr Gäste aus China, 33 Prozent mehr aus Indien und 59,3 Prozent Zuwachs aus Brasilien sind dafür ein deutlicher Beleg. Bei der Werbung in Übersee arbeite Berlin laut Kieker auch mit Wien, Prag oder Budapest zusammen. So könnten Kombinationen mit Reisen in die "moderne Metropole Berlin und das alte, romantische Europa" angeboten werden. Doch trotz des unverminderten Booms und des weiteren Zuwachses an Hotels und Betten in Berlin, plädiert Kieker wiederholt zum "Innehalten", was weitere Hotelprojekte betrifft. Denn Berlin sei derzeit der härteste Hotelmarkt der Welt - mit rasantem Wachstum. Aktuell stehen in 742 Beherbergungsbetrieben 111 500 Betten zur Verfügung. Zwar verbesserte sich deren Auslastung im ersten Halbjahr auf 48 Prozent nach 46,2 Prozent im Vorjahreszeitraum. Doch wegen des zum Teil ruinösen Preiskampfes in der Stadt hält Kieker die "Situation für die Hoteliers für mehr als hart". Weitere etwa 30 neue Hotels sollen bis Ende 2012 in Berlin eröffnen, was nach Expertenmeinung ein deutliches Überangebot darstellt - auch wenn das Beherbergungsgewerbe von Januar bis Juni neun Prozent mehr Umsatz als im gleichen Zeitraum des Vorjahres verbucht hat.