Verbraucher

Gaspreise in Berlin steigen drastisch

Heizen und Kochen wird für 600 000 Berliner Privathaushalte deutlich teurer. Die Gasag erhöht ab 1. Oktober die Preise für Erdgas um durchschnittlich 13 Prozent. Möglicherweise ist das sogar nur der Auftakt für weitere Preisrunden beim Gas.

"Mittel- und langfristig werden die Preise weiter steigen", sagte Gasag-Sprecher Klaus Haschker der Berliner Morgenpost. Von Herbst an müssen Gasag-Kunden 0,8 Cent mehr pro Kilowattstunde zahlen. Bei einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden bedeutet dies Mehrkosten von rund 160 Euro. Das Unternehmen begründet die Erhöhung mit den gestiegenen Beschaffungskosten für Gas.

Energieexperten und der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) kritisierten die mangelnde Transparenz bei der Tarifgestaltung der Gasag. Die höheren Preise ließen sich nicht ohne Weiteres nachvollziehen, sagte BBU-Sprecher David Eberhart. "Die Kunden müssen über den effektiven Energiepreis informiert werden", fordert Eberhart. Die Gasag solle alle Bestandteile, aus denen sich der Gaspreis zusammensetzt, offenlegen. "Notfalls muss das der Gesetzgeber regeln", so Eberhart.

Laut Gasag-Sprecher Haschker bezieht das Unternehmen rund 70 Prozent des Erdgases über langfristige Lieferverträge. Diese Verträge beinhalten Klauseln, wonach der Gaspreis die Entwicklung des Ölpreises mit zeitlicher Verzögerung nachvollzieht. Im Zuge der konjunkturellen Erholung hat sich der Preis für Erdöl seit Anfang 2009 ungefähr verdoppelt. Rund 30 Prozent des Gases besorgt sich die Gasag über kurzfristige Einkäufe.

"Die Entwicklung beim Öl ist nicht allein ausschlaggebend für den Gaspreis", sagte Dagmar Ginzel vom Verbraucherportal Verivox. Mittlerweile sei durch neue Vorkommen viel Gas auf dem Markt. "Versorger können für ein, zwei oder drei Jahre im vorab Gas ordern", sagte Ginzel. Bei solchen Geschäften spiele nicht der Rohölpreis eine Rolle, sondern tatsächliche Nachfrage und das Angebot.

Die Koppelung an den Ölpreis wird seit Jahren von Verbraucherschützern kritisiert. Erst im März hatte der Bundesgerichtshof Versorgern untersagt, diese Preisbindung an das Erdöl in Verträge mit Privatkunden hineinzuschreiben. Das Urteil betraf allerdings nicht die Gasag. Das Unternehmen hat in seinen Verträgen mit Kunden keine derartigen Klauseln.

Laut Verivox ist die Gasag mit ihrem Standardtarif Gasag Komfort nun überdurchschnittlich teuer in Deutschland. Bei einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden beträgt der Gasag-Preis rund 1360 Euro. Im Rest Deutschlands bezahlt man dafür durchschnittlich 1182 Euro.

Erdgas ist in Berlin der dominierende Energieträger beim Heizen. In rund 40 Prozent der 1,9 Millionen Haushalte wird damit Wärme erzeugt. Die weitaus meisten Gasnutzer der Stadt haben einen Vertrag mit der Gasag.