Architektur

Berlin sperrt Gelder für das Stadtschloss

Nach dem Bund sperrt jetzt auch das Land Berlin die für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses vorgesehenen Mittel. Es gebe keinen Grund, in irgendeiner Weise finanziell in Vorleistung zu treten, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Damit zerschlagen sich Hoffnungen der als Bauherrin gegründeten Stiftung Berliner Schloss - Humboldtforum, mit Geld vom Berliner Senat die Durststrecke der nächsten Jahre überbrücken zu können.

Das Bundeskabinett hatte Anfang Juni als Teil seiner Haushaltssparbeschlüsse entschieden, den Start des auf 552 Millionen Euro veranschlagten Mammutprojekts von 2011 auf 2014 zu verschieben. Berlin steht nach einer Vereinbarung mit dem Bund in der Pflicht, sich an dem Mammutprojekt mit 32 Millionen Euro zu beteiligen. "Es muss endlich mit dem Bau begonnen werden, und daraus ergeben sich dann die Zahlungsflüsse", stellte Wowereit klar. Im Klartext: Vor dem offiziellen Baubeginn gibt es kein Geld.

Hinter dieser Absage dürfte auch Wowereits Befürchtung stehen, dass der Wiederaufbau insgesamt noch scheitern könnte: "Wie kann man sich sicher sein, wenn die Bundesregierung so leichtfertig ein so wichtiges Projekt aufs Spiel setzt?", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Allerdings sieht Wowereit zunehmend Signale auf Bundesebene, den Baubeginn doch wieder vorzuziehen. So arbeite der Architekt Franco Stella weiter an den Plänen. Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) und sein Staatssekretär Rainer Bomba hätten zudem versichert, dass der Wiederaufbau der historischen Fassade und die Kuppel über dem Eoasanderportal nicht infrage gestellt würden.

"Es gibt zunehmend Kräfte, die die Entscheidung der Bundesregierung zur Verschiebung für falsch halten und sich nach Kräften darum bemühen, schon vor 2014 mit dem Bau anzufangen, vielleicht sogar schon 2012", sagte Wowereit. Die Bodenplatte für das Bauwerk müsse wegen des in diesem Bereich geplanten U-Bahn-Tunnels ohnedies schon 2012 gelegt werden: "Sonst würden anschließend höhere Kosten entstehen, die auf 30 Millionen oder mehr geschätzt werden", so Wowereit. Der Bürgermeister, der sich selbst ursprünglich für einen modernen Neubau auf dem Schloßplatz ausgesprochen hatte, warnte vor einer neuen Grundsatzdiskussion über den Wiederaufbau der einstigen Hohenzollern-Residenz. "Man kann dazu verschiedener Meinung sein", sagte er. "Aber die Expertenkommission hat sich knapp für die historische Fassade entschieden, im Bundestag gab es eine eindeutige Mehrheit dafür. Und das muss dann auch mal akzeptiert werden."

Das Berliner Schloss war im Zweiten Weltkrieg durch Bombentreffer schwer beschädigt, die Überreste waren 1950 auf Anweisung von SED-Chef Walter Ulbricht gesprengt worden. Später ließ die DDR an gleicher Stelle den Palast der Republik errichten. Nach der Wiedervereinigung wurde dieser wegen Asbestbelastung abgerissen. 2002 beschloss der Bundestag mit Zweidrittelmehrheit den Bau eines neuen Kulturzentrums mit dem Namen Humboldt-Forum. Dieses soll an drei Seiten Kopien der alten Barockfassaden des Berliner Schlosses erhalten.