DDR-Geschichte

KGB suchte schon 1987 Nachfolger für Honecker

Überraschende Wendung für die deutsch-deutsche Geschichtsschreibung. Der damalige sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow hat nach Recherchen der Berliner Morgenpost schon 1987 versucht, Erich Honecker als Generalsekretär der SED abzulösen.

- Mithilfe des Geheimdienstes KGB ließ er in der DDR sondieren, wie man eine neue Führung unter dem Dresdner SED-Bezirkschef Hans Modrow installieren könne. Entsprechende Hinweise aus Kreml-Protokollen und historischen Forschungen bestätigte der frühere Gorbatschow-Berater Valentin Falin der Morgenpost.

Eng eingebunden in die von Gorbatschow initiierte Suche nach einem Nachfolger für den uneinsichtigen SED-Chef war der frühere Stasi-Spionagechef Markus Wolf. Der war, offenbar in Zusammenhang mit den Putschplänen, am 5. Februar 1987 überraschend zurückgetreten. Offiziell hieß es damals, Wolf wolle sich künftig schriftstellerisch bestätigen.

In Wahrheit, so der frühere Berliner SED-Chef Günter Schabowski, sei der 2006 verstorbene Wolf von Moskau zu diesem Zeitpunkt dafür vorgesehen gewesen, Honeckers Sturz vorzubereiten. Der Chefspion habe sich deshalb im Frühjahr 1987 in Dresden mit dem stellvertretenden KGB-Chef Dmitri Krjutschkow sowie Dresdens SED-Chef Hans Modrow getroffen, berichtete Schabowski in einem Gespräch, das der Historiker Dmitri Chmelzinski im Auftrag der Morgenpost führte. Modrow, der Gorbatschows Glasnost-Kurs unterstützte, war für die Sowjets der erste Kandidat für eine Honecker-Nachfolge.

Hans Modrow selbst, heute 81 Jahre alt, bestätigt diese Zusammenkunft, erinnert sich aber nicht an einen geplanten Sturz des SED-Chefs. Valentin Falin, damaliger Berater Gorbatschows, bestätigt dagegen den Putschplan. Bereits 1987 habe die Moskauer Parteiführung entsprechende Ziele verfolgt, so Falin. Honecker sei zu dieser Zeit bereits an Krebs erkrankt. Bei einem Besuch der sowjetischen Hauptstadt habe er einmal sogar das Bewusstsein verloren.

Dass Modrow von Moskau als Honecker-Nachfolger vorgesehen war, bestätigt auch Professor Manfred Görtemaker vom Historischen Institut der Universität Potsdam. "Nach meinen Studien sollte Modrow tatsächlich der 'deutsche Gorbatschow' werden." Gorbatschows Abneigung gegen den SED-Chef bestätigt sich auch in alten Kreml-Protokollen. Seite 3