Unfall

Schönefeld: Bruchlandung des Rosinenbombers

Am Flughafen Schönefeld ist es gestern Nachmittag zu einer Beinahe-Katastrophe gekommen. Beim Versuch, zu einem Rundflug über Berlin aufzusteigen, hat der Rosinenbomber gegen 14.45 Uhr eine Bruchlandung gemacht.

Das zweimotorige Passagierflugzeug vom Typ Douglas DC-3 mit 28 Insassen an Bord, darunter die beiden Piloten und eine Stewardess, wurde bei dem Aufprall kurz vor der Start- und Landebahn nahe der brandenburgischen Ortschaft Selchow schwer beschädigt. Sieben Menschen, darunter alle drei Crew-Mitglieder, erlitten Verletzungen. Der Pilot soll mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht worden sein. Die übrigen sechs Leichtverletzten wurden vor Ort behandelt.

Mit an Bord der Oldtimer-Maschine war auch der Stuttgarter CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann. "Wir waren vielleicht 15 Meter über dem Boden, da fing das linke Propeller-Triebwerk zu stottern an", sagte der 40-Jährige der Berliner Morgenpost. Kurz darauf seien kleine Rauchwölkchen aus dem Motor aufgestiegen, dann sei das Triebwerk ausgefallen. Der Pilot habe noch mit einer scharfen Linkskurve versucht, zurück auf die Landebahn zu kommen. Dieser Versuch sei aber misslungen.

Die Maschine setzte kurz vor der Landebahn auf einer asphaltierten Straße auf, die zur Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens BBI gehört. Dabei rammte sie einen massiven Bauzaun, der rechte Flügel wurde abgerissen, das Propeller-Triebwerk fing Feuer. Der Aufprall war so hart, dass außerdem das Fahrwerk zumindest teilweise abbrach.

Die Flughafengesellschaft bestätigte die "Notlandung". Die Passagiere hätten das Flugzeug eigenständig verlassen können. Die Menschen wurden zunächst in ein Terminal des Flughafens gebracht und dort versorgt. Der Flugbetrieb in Schönefeld sei lediglich für 15 Minuten eingestellt worden, so Flughafensprecher Ralf Kunkel.

Die Unglücksmaschine gehört zur Flotte der Firma Air Service Berlin, die vom bekannten Piloten Frank Hellberg ("Commander Frank") geführt wird. Air Service Berlin bietet den Rosinenbomber für Rundflüge über Berlin, aber auch für Tagesreisen nach Dresden oder Wolfsburg sowie für Charterflüge an. Aussagen zur möglichen Unglücksursache konnte Unternehmenssprecher Holger Trocha nicht machen. "Die Maschine ist Baujahr 1944 und befand sich in einem optimalen Zustand", sagte er in einer ersten Stellungnahme nach der Bruchlandung. Nach Angaben von Air Service Berlin ist ihre DC-3 der einzige noch flugfähige Rosinenbomber in Deutschland. Das Flugzeug sei im Jahr 2000 in England originalgetreu restauriert worden und seither ohne Zwischenfälle im Einsatz. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung hat die Ermittlungen zur genauen Unglücksursache aufgenommen.