Bildungspolitik

Schulreform: Rot-Rot setzt Losverfahren in Berlin durch

Die rot-rote Koalition hat sich auf einen neuen Zugang für die Berliner Gymnasien geeinigt. Bei besonders beliebten Schulen, an denen der Andrang zu groß ist, sollen mindestens 30 Prozent der Plätze ausgelost werden. Darauf einigten sich gestern die Fraktionsspitzen von SPD und Linken nach stundenlangen Verhandlungen.

Damit fällt die Losquote geringer aus als die von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) mit der Linken zunächst angepeilten 50 Prozent. Aber höher als die von der SPD-Fraktion am Dienstag mit knapper Mehrheit verabschiedete Quote von 25 Prozent. "50 Prozent hätten zu viel Unruhe gebracht", sagte SPD-Fraktionschef Michael Müller. Zu viele Schüler müssten dann wohl nach dem Probejahr das Gymnasium verlassen.

Der neue Senatsplan sieht vor, dass die Schulen 60 Prozent der Plätze nach eigenen Kriterien selbst vergeben, bis zu zehn Prozent bleiben für Härtefälle reserviert. Darunter fallen etwa Kinder mit Behinderung oder Geschwister, die nach Möglichkeit dieselbe Schule besuchen sollen, wenn sie wollen. Per Los können es schließlich auch schlechte Grundschüler aufs Gymnasium schaffen, und haben sie erst ein Probejahr überstanden, müssen sie es gegen den eigenen Willen nicht mehr verlassen.

Gymnasium und Sekundarschule sollen "völlig gleichwertig" sein, wie Zöllner betont. Damit kommt er der Linken entgegen, die am liebsten nur eine Schule für alle gehabt hätte. Beide Schulformen sollen den Weg zum Abitur öffnen - die Sekundarschule nach 13 Schuljahren, das Gymnasium nach elf oder zwölf Jahren.

"Uns war wichtig, eine Regelung zu finden, bei der der Bildungserfolg und soziale Herkunft entkoppelt werden", sagte Linken-Fraktionschefin Carola Bluhm. Mit der neuen Regelung würden es künftig mehr Berliner Schüler bis zum Abitur schaffen. Ergänzend sagte der bildungspolitische Sprecher der Linken, Steffen Zillich, es sei vereinbart, die Losquote wissenschaftlich zu begleiten und zu überprüfen, ob sie zu mehr Abiturienten und mehr Chancengerechtigkeit führe. Außerdem werde die Sachmittelausstattung der Schulen verbessert, in denen besonders viele Kinder mit ausländischen Wurzeln lernen.

Kritik an der Einigung kam von der FDP: "Dieser faule Kompromiss zwischen SPD und Linken zeigt, dass sich in der rot-roten Koalition die Ideologen gegen die Vernunft durchsetzen", teilte die Fraktion mit. Der Zugang zum Gymnasium ist heute auch Schwerpunkt im Abgeordnetenhaus. Seite 12