Energiekonzerne

EU stoppt Vattenfall bei Übernahme von Nuon

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Joachim Fahrun und Daniel Wetzel

Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission in Brüssel hindern den schwedischen Energiekonzern Vattenfall offenbar daran, einen seiner wichtigsten Konkurrenten auf dem deutschen Markt für Strom und Gas zu schlucken.

- Die EU-Kommission hat wettbewerbsrechtliche Bedenken gegen die Übernahme der deutschen Tochter der holländischen NV Nuon Energy durch die Schweden angemeldet. Vattenfall-Chef Lars G. Josefsson habe daraufhin angeboten, dass Nuon seine deutsche Tochter verkauft, nachdem die Fusion mit dem Konkurrenzunternehmen vollzogen worden ist, bestätigte gestern eine Sprecherin der Nuon Deutschland.

Vattenfall hatte im Februar rund 10,3 Mrd. Euro für Nuon geboten. Das Unternehmen versorgt mit 10 000 Mitarbeitern in den Niederlanden, Belgien und Deutschland etwa drei Millionen Haushalte mit Strom und Gas.

In Deutschland hatte der Übernahmeversuch allerdings kartellrechtliche Kritik ausgelöst, weil Nuon in Berlin und Hamburg zu den schärfsten Vattenfall-Konkurrenten gehört. Nuon hat in Deutschland 400 Mitarbeiter, die 270 000 Haushalte mit Strom und 30 000 Haushalte mit Gas versorgen, die meisten davon in Berlin und Hamburg, den Hauptabsatzgebieten von Vattenfall.

In der Berliner Nuon-Zentrale erfuhren die Mitarbeiter gestern bei einer Betriebsversammlung von der neuen Entwicklung. Unter den Beschäftigten sorgten die Mitteilungen der Geschäftsführung für Erleichterung, weil viele nach einer Übernahme durch Vattenfall um ihre Arbeitsplätze fürchteten.

Von Vattenfall hieß es offiziell, man befinde sich in Gesprächen mit der Europäischen Kommission über die wettbewerblich relevanten Aspekte der Nuon-Übernahme. Bis auf "gewisse Überschneidungen in Berlin und Hamburg" bestünden keine Bedenken, sagte ein Unternehmenssprecher: "Vattenfall ist der Ansicht, dass der Markt für den Stromvertrieb an Kleinkunden bundesweit abzugrenzen ist, hat aber vorsichtshalber Auflagen angeboten, die auch bei einer lokalen Marktabgrenzung wettbewerbliche Bedenken ausräumen." Einzelheiten werde man aber nicht kommentieren.

Die EU-Kommission teilte gestern mit, sie habe den Prüfungszeitraum für die Übernahme um zehn Werktage verlängert. Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes will ihre Entscheidung am 22. Juni bekannt geben. Hintergrund seien neue Zugeständnisse von Vattenfall, der Konzern habe Nachbesserungen signalisiert.

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