Friedrichshain

Innensenator flüchtet vor Autonomen

Zwei Tage vor dem 1. Mai ist es Angehörigen der linken Szene offenbar gelungen, Innensenator Ehrhart Körting aus "ihrem" Kiez zu vertreiben. Am Dienstagabend musste Körting überstürzt ein Treffen mit mehreren von Anschlägen betroffenen Wirten in einem Lokal in Friedrichshain verlassen.

- Zuvor hatte sich eine Gruppe schwarz gekleideter Autonomer gegenüber dem Lokal versammelt, das Treffen beobachtet und sich laut Augenzeugen bedrohlich genähert. Der Innensenator habe daraufhin einen "schnellen, aber geordneten Rückzug angetreten", so Körtings Sprecherin Nicola Rothermel. Man habe gar nicht erst "eine heikle Situation" entstehen lassen wollen.

Ungeachtet des Zwischenfalls, hält die Diskussion über eine tatsächlich oder vermeintlich zunehmende Gewaltbereitschaft der linksextremen Szene und drohende Ausschreitungen am 1. Mai an. Für Aufregung sorgte gestern ein Interview des Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, in dem dieser von einem drohenden Polizeinotstand gesprochen und behauptet hatte, in Berlin fehlten am 1. Mai 4000 Einsatzkräfte.

Polizeipräsident Dieter Glietsch wies die Vorwürfe gestern zurück. Wenige Stunden später teilte Glietsch mit, der Gewerkschafts-Chef habe in einem Telefonat von "Fehlinformationen" gesprochen und seine Äußerungen bedauert. Dennoch äußerten Wendt und sein Kollege Konrad Freiberg von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) erneut ihre Befürchtung, in Berlin und anderen Städten könnten es am 1. Mai die schwersten Ausschreitungen seit Jahren geben.

Um die zu verhindern, bietet die Polizei etwa 5000 Einsatzkräfte auf, 300 mehr als im vergangenen Jahr. Unterstützt werden die Berliner Beamten von Einheiten der Bundespolizei, sowie aus Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen. Seite 11