Forschung

Auch Frauen kommen in den Stimmbruch

Angela Grosse

Warum sprechen manche Frauen mit einer hohen, schrillen Stimme? Zwölf Jahre forschte der Hamburger Mediziner Niels Graf von Waldersee über hohe, monotone Frauenstimmen.

- Es ist jene schrille Tonlage, die lange als Ausdruck krankhafter Hysterie galt. Ein überraschendes Ergebnis der ärztlichen Forschung: Frauen auf hohen Stöckelschuhen sprechen oft ebenfalls extrem hoch.

Angestoßen haben dieses Forschungsprogramm seine Patientinnen. "Es kamen immer wieder Frauen in die Praxis, denen die Stimme versagte, die sich kein Gehör verschaffen konnten, weil sie eine hohe Stimme behalten haben. Bei ihnen hatte sich der Stimmbruch, in dem sich die weibliche Stimme während der Pubertät um drei Töne vertieft, nicht vollzogen", sagt Niels Graf von Waldersee.

Der Phoniater und Pädaudiologe (Arzt für Stimme sowie Sprach- und Sprechstörungen und kindliche Hörstörungen) begann zu forschen und stellte fest: "Wir wissen bestens Bescheid über die männliche Fistelstimme, aber nichts über die der Frauen." Sein Resümee: Das Ausbleiben des weiblichen Stimmbruchs kann Ausdruck eines Traumas sein, es kann durch seelische Belastungen oder Misshandlungen ausgelöst werden.

Physiologisch beruht eine hohe Stimme auf einer großen Spannung der Stimmbänder. Die Betroffenen leiden oft unter Dauerheiserkeit und Stimmversagen, weil sie nicht lernen, wie ökonomisches Sprechen funktioniert. Das ist auch der Grund, warum Frauen, die auf Stöckelschuhen gehen, oft auch hohe Stimmlagen haben. "Diese Frauen spannen ihren ganzen Körper so an, dass auch die äußeren Kehlkopfmuskeln und mit ihnen die Stimmbänder unter Spannung stehen." Schon ein flacher Absatz entspanne die Stimmbänder - das wäre immerhin ein Anfang.