In Berlin fährt heute nur jeder zehnte Regionalzug

Millionen Pendler und Fernreisende müssen sich heute wegen des größten Streiks in der Geschichte der Deutschen Bahn auf lange Wartezeiten und Zugausfälle einstellen.

Frankfurt/Main/Berlin - Millionen Pendler und Fernreisende müssen sich heute wegen des größten Streiks in der Geschichte der Deutschen Bahn auf lange Wartezeiten und Zugausfälle einstellen. In Berlin und Brandenburg fahren nach Bahn-Angaben voraussichtlich nur 10 bis 15 Prozent der Züge planmäßig. Die Berliner S-Bahn will auf den meisten Linien möglichst einen 20- bis 40-Minuten-Takt aufrechterhalten. Mehr sei nicht zu schaffen, wenn wie erwartet rund drei Viertel der Lokführer bis Sonnabendmorgen die Arbeit niederlegen, sagte ein S-Bahn-Sprecher.

Bahnkunden in der Hauptstadt und in Ostdeutschland werden den Lokführerstreik am stärksten zu spüren bekommen. Zwar sollen bundesweit rund 50 Prozent aller Nahverkehrszüge fahren. "Doch in Berlin und den neuen Bundesländern wird das wegen der großen Belastungen durch die Ausfälle im Güterverkehr nicht funktionieren", sagte ein Bahn-Sprecher. Im Fernverkehr soll jeder dritte Zug ausfallen. So würde in Berlin heute und morgen fast kein Intercity fahren. Auch einige ICE-Züge - insbesondere in Richtung München - fallen aus.

Da viele Pendler durch den Streik auf das Auto umsteigen, muss auch auf den Straßen mit erheblichen Behinderungen gerechnet werden.

Gestern hatte die Lokführergewerkschaft GDL bereits den Güterverkehr in weiten Teilen Deutschlands lahmgelegt. Die Gewerkschaftsmitglieder legten um zwölf Uhr die Arbeit nieder, um für mehr Lohn und einen eigenständigen Tarifvertrag zu streiken. In der Nacht zu heute sollte der 62-stündige Ausstand auf den Personenverkehr ausgedehnt werden.

Die Bundesregierung und mehrere Wirtschaftsverbände warnten, die Lokführer gefährdeten den Aufschwung in Deutschland. Sollte der Tarifkonflikt andauern, hätte dies "tief greifende und gefährliche Auswirkungen", sagte Vizeregierungssprecher Thomas Steg. Audi sagte die Frühschicht im Werk in Brüssel für heute ab. Die Bahn hat für die Streiktage Ersatzfahrpläne aufgestellt, die im Internet unter www.bahn.de/aktuell abzurufen sind. Informationen gibt es auch unter der kostenlosen Telefonnummer 080 00 99 66 33 sowie in den Reisezentren der Bahn.