Weltweites Entsetzen über Israels blutigen Luftangriff

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Gaza/Jerusalem - Die israelische Luftwaffe hat ein Wohnhaus mitten in der dicht besiedelten Stadt Gaza beschossen und dabei einen Anführer der radikalen Hamas-Bewegung sowie mindestens 14 weitere Palästinenser getötet, darunter neun Kinder. Israels Ministerpräsident Ariel Scharon sprach von «einem großen Erfolg», äußerte zugleich aber Bedauern über den Tod von Zivilisten. Das Verteidigungsministerium erklärte, mit Zivilisten sei nach Geheimdienst-Informationen in dem Haus nicht zu rechnen gewesen.

In Europa wurde der Angriff verurteilt. Bundesaußenminister Joschka Fischer sagte, er sei über die Eskalation der Gewalt entsetzt. Die US-Regierung bezeichnete den Schlag als überzogene Reaktion. Der Sprecher von Präsident George W. Bush sagte, der Präsident sei der Ansicht, dieser Angriff werde nicht zum Frieden in Nahost beitragen. Er habe Israel schon früher gemahnt, die Konsequenzen seiner Aktionen zu bedenken.

Ziel des Angriffs war der Chef der Kassam-Brigaden der Hamas, Salach Schehada. Israel betrachtete ihn als Drahtzieher terroristischer Anschläge. Ein Kampfflugzeug hatte das Haus des Extremisten beschossen. Der Wohnblock stürzte zusammen und begrub Dutzende Menschen unter sich. Rund

150 Menschen erlitten nach Krankenhaus-Angaben Verletzungen.

Mit dem Angriff zerstörte Israel möglicherweise die Chance für ein Ende der Selbstmordanschläge in Israel. Der außenpolitische EU-Koordinator, Javier Solana, sagte, es habe Hinweise darauf gegeben, dass eine entsprechende Vereinbarung fast fertig gewesen sei. Die El-Aksa-Brigaden und die Tansim-Miliz der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat hätten gestern die Einstellung der Anschläge in Israel verkünden sollen, hieß es. Hamas-Chef Scheich Achmed Jassin hatte am Montag die Einstellung der Selbstmordanschläge unter Bedingungen in Aussicht gestellt. Nun kündigte er stattdessen Vergeltung an. Rund 300 000 Menschen nahmen gestern Nachmittag an der Beisetzung Schehadas in Gaza teil.