Für die spanischen Momente des Lebens: "Yes"

Wenn der deutsche Sommer gerade auf irischen Frühling macht, kann ein wenig spanische Kulisse gemütsaufheiternd wirken. Was nicht heißen muß, sich per Billigflieger in jahreszeitenbedingt überfüllte iberische Feriendomizile zu begeben. Oder in folkloristisch aufgemotzte Berliner Tapas-Schmieden.

Geht es denn auch dezenter? "Yes", sagen wir da reichlich unspanisch - und auch wieder nicht so ganz. Das kommt Ihnen jetzt doch langsam spanisch vor? Gut, also Aufklärung: "Yes" ist der Name einer vor fünf Monaten eröffneten kleinen Prenzlauer-Berg-Bar mit hispanophilem Einschlag und ebenso gewirktem Besitzer. Julian heißt der, ist von Haus aus eigentlich Architekt, baut aber gerade weder Häuser noch sonst etwas. Das Yes ist sein Entwurf, ein Auftrag an sich selbst - und die Umsetzung darf als gelungen gelten. Zwei ausgesprochen überschaubare Räume mit einer ebenso überschaubaren Anzahl von Plätzen. Alles Mobiliar ist in Spanien und Berlin zusammengesucht und wirkt doch als Ensemble so selbstverständlich und "gewachsen", als gäbe es den kleinen Kieztreff bereits Jahrzehnte.

Selbst der leuchtende Namenszug ist ein Fundstück. Bis zum vergangenen Jahr zierte er ein Café im Herzen von Madrid. Der Betreiber schloß, vermietete an eine Fastfood-Kette, und der Berliner Julian schlug bei Teilen des alten Interieurs sowie den Buchstaben in perfekter Frühsiebziger-Typographie zu. In der spanischen Hauptstadt hieß das Café 30 Jahre lang "Yenes", doch das erschien aus dem Kontext gerissen nicht recht passend. Ein paar Scrabblerunden später war "Yes" daraus geworden. Ein "E" und ein "N" lagern noch ein, der neue Besitzer ist regelrecht verliebt in die Ästhetik der Lettern.

Der Yes-Tresen aus rotbraunem Holz und Messing wiederum stammt aus einer alten Berliner Weinhandlung. Jetzt geht der spanische Tinto darüber, oder auch ein andalusischer Longdrink, die Alternative zu Caipirinha und Mojito. Rebujito heißt die Mixtur und besteht aus Sherry (oder auch Jerez) und Zitronenlimo mit Eis und Limette. Eine fruchtig-herbe Angelegenheit, die den verloren gegangenen Berliner Sommer gleich noch etwas entschiedener zurückbeordert. Salud!

Yes, Knaackstr. 14, Prenzlauer Berg. Geöffnet täglich ab 20 Uhr. Keine Karten.

Oliver de Weert