Operette: Hommage an Paul

Da staunt er nicht schlecht, der junge Fritz Steppke. Mit seinen Kumpels Lämmermeier und Pannecke wollte er bloß mal den Mann im Mond besuchen und dem rauen Charme der Hauswirtin entfliehen. Doch wen treffen sie, als sie mit seinem selbstgebauten Ballon oben auf dem Mond landen? Eine Frau.

Dass die flotte Mond-Regentin sofort heftige Zuneigung zu Steppke fasst, macht die Sache nicht einfacher. Denn eigentlich hatte sich Prinz Sternschnuppe gute Chancen ausgerechnet, endlich bei Frau Luna zu landen. Irgendwie haben die drei Berliner, die dort oben auf Mondelfen und Mondschutzmänner treffen, auch ziemliches Heimweh nach ihrer geliebten Berliner Luft. Und nach Mariechen, das auf der Erde sehnsüchtig auf Steppke wartet.

Es gibt so einige Verwicklungen, bis in Paul Linckes Operette "Frau Luna" endlich jedes Töpfchen sein Deckelchen gefunden hat und die Abenteurer wieder heil in Berlin gelandet sind. Und es gibt viel Musik. Wie die "Berliner Luft", die unbestrittene Nationalhymne der Stadt, die Paul Lincke 1904 in seine fünf Jahre vorher uraufgeführte Operette einfügte.

Den 100. Geburtstag des Gassenhauers nimmt die Kreuzberger Jacobi-Kirche zum Anlass für eine Hommage. Schließlich hat das Gotteshaus eine besondere Beziehung zu Lincke (1866-1946): Der Komponist wurde hier getauft. Außerdem arbeitete er schräg gegenüber in der Oranienstraße 64.

Heute Abend wird die ehrwürdige Kirche zum Operettentheater. Auf zwei Bühnen entsteht nicht nur das alte Berlin, sondern auch Frau Lunas glitzernder Mondpalast. Selbst der Ballon, der die Abenteurer auf den Mond bringt, findet seinen Platz. Und mittendrin agieren singende Schauspieler, das Luisenstädter Vokalensemble und das Friedemann-Bach-Orchester, musikalischer Leiter ist Oliver Lüsch.

Beeindruckend ist der modische Chic der Mondbewohner, deren extravagante Hüte auch in Ascot Aufsehen erregen würden. Glänzende Stoffe rascheln, wenn Frau Luna oder Frau Venus durch den Palast stolzieren. Und die Mondschutzmänner defilieren in Ehrfurcht gebietend silbernen Uniformen. Steppke, Pannecke und Lämmermeier dagegen halten es ganz berlinisch. Mit Weste und Schiebermütze. Mit ziemlich großer Klappe. Und vielen Gassenhauern auf den Lippen. Von denen wir mindestens einen mitsingen, wenn uns keiner beobachtet: den von der Berliner Luft, Luft, Luft.

Jacobi-Kirche, Oranienstr. 133, Kreuzberg. Tel.: 61 65 97 91. Heute bis 10. und 14.-16. Mai, 20.30 Uhr. 25 und 20 Euro.