Inselhüpfen im Norden von Berlin

Mitten im Tegeler See liegen mehrere verträumte Eilande. Nur per Boot zu erreichen, gelten sie als Geheimtipp für Ruhesuchende.

Mitten im Tegeler See liegen mehrere verträumte Eilande. Nur per Boot zu erreichen, gelten sie als Geheimtipp für Ruhesuchende. Denn außer dem gelegentlichen Lärm von Jets des nahen Flughafens stört nichts die Idylle auf den Inseln.

Von Saatwinkel sind sie per Fähre zu ereichen. Autofahrer sollten den Wagen an der Bernauer Straße parken. Die wenigen Stellplätze in Ufernähe sind früh belegt. Der 133er Bus hält ebenfalls an der Bernauer Straße. Am besten an der Haltestelle zur Insel Reiswerder aussteigen. Von dort geradezu durch das Waldstück zum Ufer des Tegeler See gehen. Links neben der im Sommer stark frequentierten Badestelle legt die Fähre nach Reiswerder ab.

Auf der Insel angekommen, bietet sich ein Rundgang rechts entlang des Uferwegs an. Das Landschaftsschutzgebiet ist fast zugewachsen. Hohe Bäume beschatten die Insel. Erst 1946 siedelten die Naturfreunde vom Baumwerder nach Reiswerder um und errichteten dicht an dicht ihre Lauben. Trotzdem gibt es auf dem Weg dazwischen immer wieder schöne Ausblicke auf den Tegeler See. Kurz vor Ende zweigt der Weg zum "kleinsten Rathaus der Welt" ab, dem Mittelpunkt und Festplatz der Insel. Am 13. Oktober feiern die Kleingärtner von 13 bis 17 Uhr Saisonausklang. Gäste sind beim Feiern willkommen, für Kinder gibt es Spiele und Theater.

Wer mehr von Reiswerder kennenlernen will, kann sich im Gästehaus des Vereins einmieten. Unter der E-Mail-Adresse reiswerder@ist-einmalig.de lässt sich eine Inselübernachtung buchen.

Vom Rathaus geht es zurück zur Fähre. Wieder an Land führt rechts der Wanderweg entlang des Ufers zum nächsten Fähranleger. Nach etwa 15 Minuten Fußweg zweigt hinter dem Restaurant "Am Pier 29" ein schmaler Durchgang zur Anlegestelle ab. Die Insulaner decken sich in diesem Restaurant gerne mit Fischbrötchen ein, ehe sie übersetzen. Da es auf Valentinswerder derzeit kein Lokal gibt, ist in Saatwinkel letzte Gelegenheit, sich Speisen und Getränke zu kaufen oder in einem der Restaurants einzukehren. "Am Pier 29" serviert frische Salate (3,90-7,90 Euro), Suppen (3,20-3,80 Euro) oder Hausmannskost (6,20-9,80 Euro). Bis Ende September wird sonnabends und sonntags von 9-11.30 Uhr ein großes Frühstücksbüffet (5,90 Euro) aufgebaut.

Von Saatwinkel aus startet die Fähre jeweils zur vollen Stunde in Richtung Maienwerder und Valentinswerder. Maienwerder ist Privatgelände. Besuche sind leider unerwünscht. Die Fähre hält dort nur bei Bedarf und fährt nach Valentinswerder weiter.

Der Bauunternehmer Paul Haberkern erwarb 1874 die Insel und errichtete dort eine Villenkolonie en miniature. Vom Fähranleger führt ein Weg rechts an kleinen Häusern entlang bis zur nächsten größeren Wegkreuzung. Dort entsteht derzeit eine neue Sommerresidenz. "Das Haus ist eine Rekonstruktion der Villa Paul Haberkern, die dort stand", erzählt Inselwart Andreas Reuter. Er lebt seit zwölf Jahren auf Valentinswerder und ist Mädchen für alles. Erst vor einem Jahr bekam die Insel einen Stromanschluss. "Jetzt haben wir Probleme mit dem Abwasser, weil nun jeder eine Waschmaschine betreibt", beschreibt Reuter schmunzelnd neue Schwierigkeiten.

Von der Baustelle aus führt der Weg links entlang zum Rondell. Von dort zweigen Alleen in alle vier Himmelsrichtungen ab. Der parkähnliche Platz diente einst den Herrschaften zum Lustwandeln. Ein paar Sitzbänke laden zum Verweilen ein.

Auf der östlichen Achse gelangt man auf dem Uferweg zur schmalsten Stelle der Insel. Weiter Richtung Osten kommt dann die "Schweinebucht", wo in der Dämmerung Wildscheine den Boden durchwühlen.

Auf der Nordseite führt der Weg an schönen alten Häusern vorbei. Nur sieben Bewohner leben ganzjährig auf dem 13 Hektar großen Eiland. Zu ihnen gehört Julia Radmainski, Professorin für Modedesign. Sie siedelte vor vier Jahren auf die Insel über. Bis heute hat sie es nicht bereut, auch wenn es mühselig ist, alles per Boot anzulanden oder im Winter auf den Eisbrecher zu warten.

Neben der schmalsten Stelle liegt der Segelklub Frithjof-Haveleck. Danach sind noch einige alte Gebäude zu bewundern, die den Zweiten Weltkrieg überlebt haben. Über die Westseite führt der Weg schließlich zum Fähranleger zurück. Die Fähre geht jeweils zehn Minuten vor der vollen Stunde nach Saatwinkel zurück.