"Zeitnah": Junge Kunst zu Tage gefördert

Eine Besucherin sitzt geduldig vor einer Diaprojektion der Landschaftsarchitektur von Henri Bava. Der Förderungspreisträger Baukunst 2003 der Akademie der Künste ist Teilnehmer der Ausstellung "Zeitnah", die als "Werkstatt Junge Akademie 2003" den geförderten und mit Stipendien bedachten Nachwuchs vorstellt.

Entferntes Stimmengemurmel, Menschen, die auf leisen Sohlen und mit gewichtigen Mienen über die Gänge eilen: Eine ernsthafte Angelegenheit, so eine Akademie. Daran hält sich auch die junge Kunst, thematisch von Jugendkultur über Berlin-Betrachtung und formale Fragenstellungen bis hin zu Lebensphilosophie gestreut.

Jugendkultur: Ein leises Schleifgeräusch von Skateboardrollen dringt aus den auf dem Boden verteilten "Virilio-Cubes" von Thom Kubli und vermittelt Klang- und Raumerfahrungen. Berlin-Betrachtungen: Ebenfalls gedämpft das Casino-Gedudel der Filmprojektion von Kristina Solomouka, die formale Verwandtschaft städtebaulicher Details anmerkt. Beobachtende Fotos von Megan Sullivan, gleichermaßen umtriebig wie unspektakulär dem urbanen Alltag entsprechend, sind zu Heften zusammengefasst.

Formales: Anke Göhring war in Japan und widmet sich dem Maßverhältnis der Tatami. Lebensphilosophie: Die Beobachtung von Kindern schlägt in Filmen von Kirsi Liimatainen und Athanaios Karanikolas einen Bogen zur Einsamkeit des Individuums. Dagmar Keller und Martin Wittwer reflektieren Künstlichkeit und Natürlichkeit mit Ansichten sorgfältig arrangierter kleinbürgerlicher Gartenanlagen.

Ruhe und Ordnung der Ausstellung sowie die Aura der Konzentration verschaffen den jungen Künstlern einen verdienten Auftritt. Der museale Charakter aber dämpft ihre Frische.

Akademie d. Künste, Hanseatenweg. 10, Tierg., Tel.: 39 07 60. Bis 11.5., Mo 14-20, Di-So 11-20, Sa. ab 22 Uhr Lange Nacht

jub