Schöner lernen mit HipHop

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Tina Molin

"Das ist Europa, das Abendland / schau Dir diese 46 Staaten an / Das ist Europa, der Ort, wo wir wohnen / wir sind 730 Millionen.

"Das ist Europa, das Abendland / schau Dir diese 46 Staaten an / Das ist Europa, der Ort, wo wir wohnen / wir sind 730 Millionen." Dieser Vers stammt nicht aus einem Lehrbuch für Geografie, sondern aus der Feder von zwei Berliner Rappern.

Ihr Song "Europa" befindet sich auf dem Album "Rapucation". Der Name der CD gibt den Ton vor, verbindet er doch "Rap" mit dem Wort "Education", also Ausbildung. "Ich wollte vorgegebene Lehrinhalte mittels der Rap-Form den Schüler näher bringen", sagt Robin Haefs.

Als Abschlussarbeit für sein Studium am Medieninstitut SAE entstanden vier Songs, die sich mit "Europa", "Fotosynthese" oder "Mutter Erde" beschäftigen. "Der Rap funktioniert wie eine moderne Eselsbrücke", sagt Haefs. Über Reime und Melodie sollen sich Schüler der 5. und 6. Klassen den Unterrichtsstoff besser merken. Tatsächlich kann Strophen wie diese jedes Kind mitsingen - und sich merken: "Norwegen ist das nördlichste Land / die Hauptstadt wird Oslo genannt / Stockholm ist die Hauptstadt im Königreich Schweden / ein Land, in dem neun Millionen Einwohner leben."

Robin Haefs ist in der Rap-Szene besser bekannt als Mad Maks. Seit zehn Jahren betreibt er das Musiklabel "Springstoff", gerade ist sein neues Album "Maksimale Sikkness" erschienen. Gemeinsam mit dem Produzenten Vincent Stein hat er das Album entwickelt. Stein arbeitet regelmäßig für Universal Music, und seine Studiowand ziert bereits eine Goldene Schallplatte. "Wir wollten keinen Pädagogen-Rap machen", sagt Haefs. Also keine peinlich gerappten Goethe-Gedichte. "Die Kinder sind nicht blöd, die merken, wenn etwas nicht authentisch ist."

Daher musste sich auch "Rapucation" der harten Jury stellen. Im Rahmen seiner Abschlussarbeit testete Haefs sein Werk in elf Berliner Grundschulen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Schüler, die nur die CD hörten, merkten sich die Lehrinhalte fast so gut wie jene, die nur schriftliche Arbeitsunterlagen erhielten. "Und 83 Prozent der Schüler haben der CD die Schulnoten 1 oder 2 gegeben", sagt Haefs. Am meisten erstaunten ihn aber die Kommentare, die die Schüler anonym abgeben durften. "Endlich keine Schimpfworte", stand da auf einigen Fragenbögen.

"Die Schüler beschäftigen sich sehr mit den Texten", sagt Haefs. Umso mehr ärgert er sich über Kollegen, die nur über Drogen, Autos und Frauen rappen. "Schlechte Bildung trägt dazu bei, dass die Kinder später keine Chance haben", sagt er. Statt "böse" Wörter zu verwenden, sollten Stars wie Sido seiner Meinung lieber dafür sorgen, dass die Schüler dank ihrer Texte etwas lernen.

Auch die Lehrer sind von "Rapucation" angetan, und so wird das Album mittlerweile unter dem Lehrertisch weitergereicht. Damit es nicht so bleibt, sind die beiden Berliner Rapper derzeit auf der Suche nach einem Schulbuch-Verlag, bei dem sie das Album rausbringen können.

Projekt im Internet

www.rapucation.de