Techno lebt - der Tresor kehrt zurück

Die Mutter aller Techno-Clubs hat eine neue Heimat gefunden. Am 24. Mai eröffnet die Party-Institution nach zwei Jahren im stillgelegten Kraftwerk an der Köpenicker Straße.

Die Mutter aller Techno-Clubs hat eine neue Heimat gefunden. Am 24. Mai eröffnet die Party-Institution nach zwei Jahren im stillgelegten Kraftwerk an der Köpenicker Straße. Doch die monumentale Halle soll nicht nur den Club beherbergen sondern auch ein Museum. Morgenpost-Reporterin Tina Molin sprach mit Tresor-Gründer und Visionär Dimitri Hegemann (52) über seine ungewöhnlichen Pläne.

Morgenpost: Wann hast Du die Location entdeckt?

Dimitri Hegemann: Vor zwei Jahren. Noch bevor die letzte Feier im alten Tresor in der Leipziger Straße stattgefunden hatte, war ich auf der ersten Ortsbegehung und war überwältigt von der Kathedrale mit ihren 30 Meter hohen Decken. Ich bin 16 Jahre lang daran vorbei gefahren, da ich in der gleichen Straße wohne und habe nie geahnt, was hinter den ollen Mauern schlummert.

Die Modemesse Bread & Butter fand bereits im Januar im Kraftwerk statt, nun geht es am 24. Mai offiziell los mit Techno-Urgestein Sven Väth. Wie wird die neue Location eigentlich heißen?

Der Name ist Modem. Das ist für mich eine Schnittstelle zwischen der alten analogen Welt und der neuen digitalen.

Modem soll auch ein Schnittpunkt zwischen Club und Museum werden. Dieser Brückenschlag ist ungewöhnlich, was interessiert Dich am Mix der Kulturen?

Mich interessiert das Spannungsfeld zwischen der wilden Energie der Nacht und dem Ruhigeren am Tag. Das Modem soll ein Ort für elektronische und mediale Kunst werden, neben der Nationalgalerie und dem Hamburger Bahnhof. Zeitgenössische Künstler können abseits der kleinen Galerien bei uns große Produktionen fahren. Zur Zeit bin ich im Gespräch mit dem Art Forum, einem namhaften Dirigent mit Symphonie-Orchester und dem Centre Pompidou.

Vorbild ist die Tate Gallery of Art in London, die auch in einem ehemaligen (Kohle)-Kraftwerk residiert. Das Museum beherbergt jedoch keinen Club. Wie fügt sich das Tresor ins Museum ein?

Mittwoch, Freitag und Samstag ist der Club bis 7 Uhr morgens geöffnet, ab Mittag kommen dann die Museumsbesucher und spüren die Energie der vergangenen Nacht.

Wird es eine räumliche Trennung geben?

Ja, es gibt den Museumsbereich und den Club, der aus drei Zonen bestehen wird. Der Globus Floor im ebenerdigen Seitenflügel fasst etwa 800 Leute und ist vorgesehen für Showcases von Sven Väth, DJ Hell, Jeff Mills oder Richie Hawtin. Dann gibt es im einen Barraum mit Balkon, von dem aus können die Partygänger die ganze Kathedrale überblicken und im Keller liegt die eigentliche Tanz-Keimzelle.

Du hast ja den original Tresorraum mit Schließfächern, Stahltür und Gitterstäben in der alten Location an der Leipziger Straße ausgebaut und mitgenommen. Was passiert damit?

Ich werde ihn im Museum des Modems nachbauen und wie ein Kunstobjekt inszenieren. Er wird wie ein Schuhkarton sein, der dank Lichtinstallationen von innen glüht. Ich habe seinen Wert übrigens auf 35 Millionen festgelegt. Er hat seinen Preis, steht aber nicht zum Verkauf.

Wie wird die musikalische Ausrichtung? Werdet Ihr wie das Berghain ganz auf Minimal Techno setzten?

Wir werden uns dem Trend Minimal Techno nicht verschließen. Jedoch werden wir mit den Künstlern, die wir auf Tresor Records aufgebaut haben wie Christian Vogel, Blake Baxter oder James Ruskin, weiterarbeiten.

Gegenüber befindet sich eine Wohnsiedlung, werden die Mieter nicht über die laute Musik klagen?

Das Kraftwerk hat keine Öffnung nach außen, es gibt Doppelwände und wir werden das Soundsystem nach der Akustik ausrichten. Das sollte reichen.

Wird man nachts vom Club aus ins Museum gehen können?

Man wird vom Club ins Museum schauen können. Dann kann man etwas erahnen, die Fantasie wird angeregt und man fährt neugierig Nachhause.